Kein Ende der Gentechnikdebatte absehbar
- EU-Agrarminister beraten über Anbau von Gen-Pflanzen
Agrarkommissar Fischler warnte am Montag anlässlich des EU-Agrarrates in Brüssel eindringlich davor, die Debatte über das Nebeneinander von Gentechnik, klassischer und biologischer Landwirtschaft zu "missbrauchen, um die Genehmigung neuer gentechnisch veränderter Pflanzen weiter hinauszuzögern".
Er plädierte dafür, die Koexistenz und damit verbundene Haftungsfragen national zu regeln.
Im Gegensatz zu Fischler fordert Agrarminister Josef Pröll eine gesamteuropäische Lösung, wie es sie für Biobauern sowie für die Kennzeichnung und die Rückverfolgbarkeit gentechnischer Produkte gebe. Pröll sagte am Montag in Brüssel, dass er aus Deutschland, Frankreich und Luxemburg Unterstützung für seine Positionen gespürt habe.
Parallel zur Diskussion über die Koexistenz verschiedener Kulturen läuft auch die Debatte über Grenzwerte für die unbeabsichtigte Beimischung gentechnisch veränderter Samen ins traditionelle Saatgut. Hierfür werden derzeit je nach Pflanzenart Grenzwerte zwischen 0,3 und 0,7 Prozent vorgeschlagen. Bei einer so hohen Beimischung im Saatgut könnte aber die Ernte den schon beschlossenen Grenzwert von 0,9 Prozent Gentech-Anteil überschreiten, warnt Pröll. Ein Bauer, der gentechnikfreies Saatgut angepflanzt hat, könnte dann eine kennzeichnungspflichtige Ernte einfahren.
In die Gentechnik-Diskussion fließen auch Überlegungen zur Schaffung gentechnikfreier Zonen ein. Für Pröll ist es "nicht sinnvoll", wenn einige Bundesländer jetzt auf eigene Faust versuchen, sich zu gentechnikfreien Zonen erklären zu lassen. Dafür sei es "zu früh". Man sollte lieber warten, bis gesamteuropäisch die Grundlagen beschlossen seien und dann gemeinsam vorgehen.
(apa)
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