Dienstag, 30. September 2003

Champions League: "Weißes Ballett" mit müdem Flamenco zu 3. Sieg

  • 45. CL-Tor von Raul genügte gegen Partizan Belgrad
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Die Fußball-Champions League ist in den acht Vorrunden-Gruppen in der "Halbzeit". Zeit also, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Nach drei Spielen besitzen einzig und allein Juventus Turin (D) und Real Madrid (Pool F) eine "blütenweiße Weste". Das Pendant zu dem Duo ist Olympiakos Piräus, die Griechen sind als einziger der 32 Vereine ohne einziges Pünktchen.

Unbesiegt sind mit Bayern München (A) und Deportivo La Coruna (C) nur zwei weitere Klubs, sieglos aber insgesamt sechs Vereine (Arsenal/B, AEK Athen/C, Olympiakos/D, Panathinaikos/E, Partizan Belgrad/F und Celta de Vigo/H). Weiter geht es in der Millionen-Liga am 4./5. November, wenn es zu den gleichen Paarungen wie diesmal, jedoch mit getauschtem Heimvorteil kommt.

Real mit Punkte-Maximum
Nach Juve am Dienstag steht nun auch Real mit dem Maximum von neun Punkten so gut wie im Achtelfinale. Kapitän Raul markierte mit seinem 45. Treffer in der Champions League gegen Partizan Belgrad per Kopf (38. Minute) das Goldtor zum 1:0. Das insgesamt 600. Europacup-Tor gelang dem "Weißen Ballett" nicht, weil es gegen die von Lothar Matthäus defensiv eingestellten Serben nur einen müden Flamenco tanzte. Daher ernteten die "Königlichen" von den 58.000 Zuschauern auch wütende Pfiffe. "El Pais" kritisierte: "Die Madrilenen zeigten so viel Begeisterung wie ein Verwaltungsbeamter bei der Büroarbeit."

Beckham erlitt Sehnenverletzung
"Es war wahrlich kein großes Match, aber wir haben das gemacht, was wir mussten. Es wurden drei Punkte geholt und wir sind weiter Erster", meinte Real-"Dirigent" Carlos Queiroz zufrieden. Einziger Wermutstropfen: David Beckham erlitt eine Sehnenverletzung und ist für das Wochenende fraglich. Lothar Matthäus war überhaupt nicht zufrieden, was seine ängstlichen "Partizanen" zeigten. "Meine Spieler spielten nicht das, was sie können, einige hatten zudem zu viel Respekt vor dem Bernabeu", meinte der deutsche Ex-Rapid-Teamchef.

Brügge sorgte für Sensation
Für die "Sensation" des Mittwochabends sorgte Titelverteidiger AC Milan (Gruppe H), der in San Siro dem FC Brügge durch ein Tor des Peruaners Andres Mendoza (33.) 0:1 unterlag. Für die Belgier, die zuletzt sieben Europacup-Auswärtsspiele nicht mehr gewonnen hatten, war es der erste Erfolg in Italien seit der UEFA-Cup-Saison 1975/76 (1:0 gegen AS Roma)!

Perfekte Catenacio-Taktik
"Ich habe vorher auf einen Punkt gehofft und bin jetzt natürlich glücklich, dass es drei Zähler geworden sind", sagte der norwegische Brügge-Coach Trond Sollied. Die Gäste erinnerten in ihren blau-schwarzen Dressen an die besten Inter-Zeiten und deren fast perfekte Catenacio-Taktik. "Sie haben uns mit italienischer Methode geschlagen, das haben sie sehr gut gemacht, wir zu viele Fehler begangen", gratulierte Milan-Trainer Carlo Ancelotti neidlos.

"Schwarzer Tag für Italien"
Die erste Europacup-Niederlage der "Rossoneri" seit sieben Monaten, das 1:2 von Lazio Rom (Gruppe G) in London gegen Chelsea sowie das 0:3 von Inter am Dienstag in Moskau gegen Lok fasste die Zeitung "Il Messaggero" trotz der rühmlichen Ausnahme Juventus treffend so zusammen: "Das war ein schwarzer Tag für Italien!"

Phil Neville entschied "Battle of Britain"
Ausgerechnet Phil Neville, der im Europacup seit fast fünf Jahren nicht mehr getroffen hatte, entschied in Gruppe E das zur "Battle of Britain" ausgerufene Duell zwischen den Meistern aus Schottland und England für Manchester United. "Das ist das wichtigste Tor, das ich je geschossen habe", jubelte der Abwehrspieler nach seinem Goldtor in Glasgow gegen die Rangers.

Tor von Szabics
Während "ManU" mit dem VfB Stuttgart (2:1 daheim gegen Panathinaikos/1:0 durch Ex-Grazer Szabics) Schritt hielt, wurden die Rangers durch die erste Heimniederlage gegen einen englischen Champion seit 40 Jahren zurückgeworfen. "Am Ende war es weder Schottland gegen England noch Lehrling gegen Meister, sondern Knaben gegen Männer", beschrieb "The Times" die Kräfteverhältnisse im Ibrox-Park.

Celta haderte mit dem Schiri
In Spanien wurde der Schiedsrichter zum Südenbock. Nach dem 0:1 in Amsterdam gegen Ajax (Gruppe H) wetterte Miguel Angel Lotina, der Trainer von Celta de Vigo: "Das war Raub! Jeder konnte sehen, dass der Referee uns die Punkte gestohlen hat." Markus Merk habe seiner Elf zwei klare Elfmeter verweigert. "Die Darbietung von Merk schrie zum Himmel", ereiferte sich auch das Blatt "Marca" über den Zahnarzt aus der Pfalz.

(APA/red)

30.9.2003 14:35