Freitag, 3. Oktober 2003

Nach Lindh-Attentat: Schweden hat neue Außenministerin

  • Angeblich DNA des Verdächtigen auf Tatwaffe gefunden
  • Plus: BILDER vom Tatort

Schweden hat wieder einen Außenminister: Nach dem Mord an Anna Lindh übernimmt die frühere Justizministerin Laila Freivalds das Amt. Die Richterin und Europa-Expertin wurde vom schwedische Ministerpräsident Göran Persson am Freitag offiziell ernannt. Indessen streitet der Hauptverdächtige im Lindh-Mordfall seine Schuld vehement ab. Am vergangenen Mittwoch kolportierte eine schwedische Boulevard-Zeitung, dass seine DNA mit der auf der Tatwaffe übereinstimme.

Freivalds betonte, eine ihrer wichtigsten Aufgaben sei es, Schweden näher an Europa heranzubringen und Europa näher an Schweden. Neben Freivalds wurden zwei weitere Frauen ins Kabinett berufen, die den Minister für internationale Zusammenarbeit, Jan Karlsson, ersetzen.

Freivalds sagte, ihre Rückkehr ins Kabinett sei nicht geplant gewesen. Doch der Anschlag auf Lindh habe vieles geändert. Die im lettischen Riga geborene Freivalds war bis zum Jahr 2000 Justizministerin. Sie gilt als Expertin auf dem Gebiet der EU-Zusammenarbeit im Justizbereich. Im September 2000 verließ sie die Regierung wegen einer Kontroverse um ihren Wohnungskauf. Im Zuge einer Privatisierungsaktion erwarb Freivalds damals ihre Mietwohnung, obwohl dies gegen die Politik der Regierung verstieß. 1997 wäre sie fast Opfer eines Briefbombenanschlags geworden. Aufmerksame Postbeamte fingen die Sendung mit dem Absender gewalttätiger Neonazis jedoch ab.

Persson präsentierte am Freitag weitere neue Gesichter im Zuge einer Kabinettsumbildung, die er bereits vor dem Anschlag auf Lindh geplant hatte. Er habe eine "verjüngte und erneuerte Regierung" gebraucht, sagte Persson. Karlsson, der Lindhs Amt übergangsweise ausgeübt hatte und die Regierung nun verlässt, war wegen einer Reihe von Skandalen in die Kritik geraten. Für ihn treten die Ministerinnen Barbro Holmberg für Migrations- und Asylfragen sowie Carin Jaemtin für Entwicklungszusammenarbeit ins Kabinett ein. Sie teilen sich Karlssons Ressort

Hauptverdächtiger beteuert Unschuld am Lindh-Mord
Die überaus beliebte Lindh war am 10. September in einem Stockholmer Kaufhaus niedergestochen worden und einen Tag später ihren schweren Verletzungen erlegen. Der Anwalt des Hauptverdächtigen bekräftigte unterdessen, sein Mandant streite jede Verwicklung in das Attentat ab. Der Mann beteuere seine Unschuld, sagte Verteidiger Peter Althin der schwedischen Nachrichtenagentur TT am Donnerstag. Am Vortag hatte die Boulevardzeitung "Expressen" berichtet, der genetische Fingerabdruck des Inhaftierten sei auf der Tatwaffe festgestellt worden.

Die Ermittler haben bis zum 10. Oktober Zeit, um belastende Indizien für die Erhebung einer Anklage zu sammeln. Der Verdächtige wird derweil psychiatrisch untersucht. Schwedischen Medienberichten zufolge soll er erst wenige Tage vor dem Attentat aus einer psychiatrischen Anstalt entlassen worden sein.

(apa/red)

3.10.2003 16:00