Freitag, 3. Oktober 2003

FORMAT: Auch Österreich droht ein Mega-Blackout

  • Im Sommer standen wir kurz vor dem Strom-Zusammenbruch
  • PLUS: Die Bilder aus Amerika, London, Skandinavien & Italien

Eine unheimliche Serie von Mega-Stromausfällen versetzte Mitte August zuerst 50 Millionen Menschen in Nordamerika in Terrorpanik, ließ zwei Wochen später Hunderttausende Pendler in der Londoner U-Bahn festsitzen und legte erst am 23. September den Verkehr in Dänemark und Südschweden lahm. Dass die schwarze Serie geografisch immer näher an Österreich heranrückt, mag ebenso Zufall sein wie die Häufung der Ereignisse in den letzten Wochen. Doch wie Experten gegenüber FORMAT erklären, kann ein flächendeckender Zusammenbruch der Stromversorgung auch hierzulande passieren.

Tatsächlich ist Österreich in diesem Sommer nur um Haaresbreite einem möglicherweise fatalen Blackout entgangen. "Das System stand knapp vor dem Zusammenbruch und konnte nur durch eine radikale Trennung vom ungarischen und slowakischen Netz gerettet werden", analysiert TU-Professor Günther Brauner die Aufzeichnungen des Vorfalls.

Überlastete Nord-Süd-Verbindung
Auslöser war ein Leitungsausfall zwischen Heviz (Ungarn) und Tumbri (Kroatien). Dadurch floss zusätzlich Strom in das österreichische Netz und führte zu einer akuten Überlastung. Obwohl die Versorgung in Österreich sehr zuverlässig ist und Stromausfälle eher selten vorkommen, gibt es nämlich im hochrangigen Leitungsnetz, den überregionalen Stromautobahnen, eine entscheidende Schwachstelle: Während in Ost-West-Richtung eine leistungsfähige 380-kV-Leitung ausreichende Kapazitäten sicherstellt, ruht die Nord-Süd-Verbindung auf drei alten 220-kV-Leitungen, die schon im Normalbetrieb chronisch überlastet sind.

"Kaskadeneffekt"
"Fällt eine dieser Leitungen aus, brechen die anderen, völlig überlastet, wahrscheinlich auch weg", warnt Heinz Kaupa, Vorstand der für das Hochspannungsnetz verantwortlichen Verbund Austrian Power Grid (APG). "Bei einem solchen Spannungszusammenbruch werden dann auch die Kraftwerke aus Sicherheitsgründen vom Netz getrennt", beschreibt Brauner jenen "Kaskadeneffekt", den etwa die Steuerungszentralen in den USA und Italien nicht in den Griff bekamen.

Wie groß die Gefahr eines Blackouts in Österreich wirklich ist und wie der Zusammenbruch der Stromversorgung verhindert werden kann kann lesen Sie im neuen FORMAT!

3.10.2003 10:51