Mittwoch, 1. Oktober 2003

Literaturnobelpreis geht an John M. Coetzee

  • Südafrikaner folgt Imre Kertesz nach
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Der Nobelpreis für Literatur geht heuer an den südafrikanischen Autor John M. Coetzee. Dies teilte die Schwedische Akademie der Wissenschaften am Donnerstag in Stockholm mit. Zu Coetzees bekanntesten Werken zählen "Leben und Zeit des Michael K." sowie "Schande".

Für beide Romane wurde Coetzee bereits mit dem britischen Booker-Preis ausgezeichnet.

Preis ging an einen der Favoriten
"Der Nobelpreis in Literatur des Jahres 2003 wird dem südafrikanischen Schriftsteller John Maxwell Coetzee verliehen, der in zahlreichen Verkleidungen die überrumpelnde Teilhabe des Außenseitertums darstellt." So lautet die in der eigenen Übersetzung des Nobelpreis-Komitees etwas holprige erste Begründung für die nicht überraschende Zuerkennung dieser höchsten internationalen literarischen Auszeichnung an den Autor, der seit langem zu den Favoriten gezählt wurde.

"Gewissenhafter Zweifler"
"J.M. Coetzees Romane zeichnen sich durch verschlagene Komposition, verdichteten Dialog und analytische Brillanz aus. Aber er ist gleichzeitig ein gewissenhafter Zweifler, schonungslos in seiner Kritik der grausamen Vernunft und der kosmetischen Moral der westlichen Zivilisation", heißt es weiter von Seiten der Akademie, "Seine intellektuelle Ehrlichkeit zersetzt alle Grundlagen des Trostes und distanziert sich vom billigen Theater der Reue und des Bekenntnisses. Auch wenn seine eigene Überzeugung durchscheint wie in der Verteidigung der Rechte der Tiere, so erhellt er eher die Voraussetzungen dieser Überzeugung, als dass er für sie argumentiert."

Verwirrung um zweiten Vornamen
Um den zweiten Vornamen Coetzees herrscht übrigens Verwirrung: Marie, Maxwell und Michael waren am Donnerstag unmittelbar nach der Bekanntgabe in Stockholm im Umlauf. Selbst der S. Fischer Verlag in Frankfurt/Main konnte das Rätsel nicht lösen. Seinen Vornamen kürze der Autor stets mit J.M. ab, sagte Coetzees Lektorin Ursula Köhler. "Möglicherweise gefällt ihm sein Name nicht", sagte sie. Literaturinsider hätten dem Autor daher den Zweitvornamen "Mystery" (Geheimnis) gegeben.

Die Schwedische Akademie legte sich auf "John Maxwell Coetzee" fest. Im Kindler Literaturlexikon wird der Name hingegen als John Marie Coetzee angegeben.

Im vergangenen Jahr war der ungarische Autor Imre Kertesz mit dem Nobelpreis geehrt worden.

(apa/red)

1.10.2003 12:08