76-fache Sterbehilfe? Schwerer Verdacht gegen Ärztin
- Hat Ärztin in Hannover 76 Krebspatienten "erlöst"?
- Ermittlungen wegen Dosierung von Schmerzmitteln eingeleitet
·Frankreich
Sohn nach Sterbe- hilfe verstorben!
76-fache illegale Sterbehilfe in Hannover? Gegen eine Ärztin besteht der Verdacht, bei 76 Krebspatienten unerlaubte Sterbehilfe durch zu hohe Morphiumgaben geleistet zu haben. Die Staatsanwaltschaft der deutschen Stadt lässt nach eigenen Angaben die Krankenakten der verstorbenen Patienten prüfen. Behördensprecher Thomas Klinge sprach von einem "Anfangsverdacht" gegen die Medizinerin.
Unterdessen streiten Gutachter über die zulässige Dosierung von Schmerzmitteln. Geklärt werden soll, ob die niedergelassene Internistin mit Belegbetten an der Paracelsus-Klinik in Langenhagen bei Hannover (siehe Bild) eine intensive Schmerzlinderung todkranker Patienten praktizierte oder aber aktive Sterbehilfe leistete.
Medizinerin wurde Arbeitserlaubnis entzogen
Das Verwaltungsgericht Hannover, das der 53-Jährigen die Arbeitserlaubnis entzog, begründete die Entscheidung damit, es sei wahrscheinlicher, dass die Internistin wegen der Vorwürfe strafrechtlich belangt werde, als dass sie straffrei ausgehen werde. Angezeigt wurde die Ärztin von einer Krankenkasse, deren Abrechnungen deutlich überdurchschnittliche Verschreibungen des starken Scherzmittels Morphium aufwiesen. Der Vorwurf der Krankenkasse lautete laut Verwaltungsgericht auf "mehrere Fälle unzulässiger Sterbehilfe" in den vergangenen zwei Jahren.
Dagegen setzt der private Klinikbetreiber ein Gutachten des Schmerztherapeuten Lukas Radbruch aus Aachen. Dieser bestätigt der Ärztin laut Paracelsus-Geschäftsführer Joachim Bovolet "gutes medizinisches Handeln". Nach Ansicht von Bovolet ist die Ärztin Opfer eines "Dogmenstreits" über die Grenzziehung zwischen Schmerzbehandlung und Sterbehilfe. Die Paracelsus-Gruppe stehe zu der Ärztin, sie arbeite seit rund 20 Jahren an der Klinik.
Zwei Leichen werden eigens exhumiert
Die Staatsanwaltschaft Hannover schaltete im Zuge der Ermittlungen den Bochumer Schmerztherapeuten Michael Zens als Gutachter ein. Diesem liegen der Anklagebehörde zufolge mittlerweise 15 Krankenakten vor und auch die Ergebnisse der Untersuchungen an zwei Leichen, die eigens exhumiert wurden. (APA/red)
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