Grund fürs blaue Debakel: Zick-Zack-Kurs der FPÖ!
- Wackelt Haupt? Haider verlangt "klarere Linie"! Und: Grasser "zurückpfeifen"
- "Haider folgt Haider": SP-OÖ-Chef ahmt Kärntner Jörg nach

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FPÖ-Debakel: Was sagen Sie dazu?
Die Wahlen sind vorbei, nun schlägt die Stunde der Experten. Landauf, landab listen sie die Fehler auf, die zum Rekord-Minus der FPÖ geführt haben. Hauptgrund: Die Linie fehlt, so die Meinungsforscher Peter Ulram (Fessel-GfK) und Wolfgang Bachmayer (OGM). "Sie müssen sich endlich entscheiden, was sie sind - Regierungspartei oder Opposition. Beides geht nicht", so Ulram. Und auch Jörg Haider fordert von seinem Parteichef eine klarere Linie. Weiters schießt er sich einmal mehr auf Finanzminister Grasser ein. Dieser müsse "zurückgepfiffen" werden (siehe Kasten rechts). Haupt kontert auf die Schlappe mit einer kräftigen Ansage Richtung ÖVP: Bei der EU-Erweiterung ist immer noch nicht alles klar (siehe Kasten).
Bachmayer rät der FPÖ, sich einen Bereich zu suchen, in dem sie wieder Profil gewinnen kann. Ihm fällt "am ehesten das Vorantreiben der Pensionsharmonisierung" ein. Damit die Freiheitlichen das Umsetzen können, bräuchten sie freilich einen Partner, der ihnen dafür auch Luft lasse. Klar sei, dass wieder eine Linie gebraucht werde: "Das Zick-Zack ist bei der freiheitlichen Regierungspartei schon zu einem Kontinuum geworden."
"Haider folgt Haider"
In OÖ lässt sich das Resultat mit dem Spruch "Haider folgt Haider" zusammenfassen. Erich H. habe von Jörg H., der ursprünglich auch aus OÖ stammt, nicht ideologisch, aber hinsichtlich des "ungebremsten Populismus" viel gelernt. Und grundsätzlich: Die FPÖ habe das Ausländerthema als emotionalisierendes Sachthema gehabt, die SPÖ nun eben die Voest-Privatisierung - genau ein derartiges Thema brauche man für wirkungsvollen Populismus.
"Kreisverkehr-Wähler nicht unterschätzen"
Den größeren Regierungspartner ÖVP warnte Bachmayer davor, die "Kreisverkehr-Wähler" zu unterschätzen. Ursprünglich, unter Jörg Haider, seien diese von der SPÖ zur FPÖ gewandert, im Herbst 2002 habe sie die "Leadership" Wolfgang Schüssels zur ÖVP gebracht. Wenn die Politik nun aber zu hart dargeboten werde, sei anzunehmen, dass sie "im Kreisverkehr heim ins Lager" wandern. Darauf müsse die ÖVP rechtzeitig reagieren, erst im Wahlkampf sei dies nicht mehr möglich. Wenn die ÖVP beginne, die gesellschaftlichen Werte in Frage zu stellen, laufe sie der SPÖ dabei jedenfalls ins offene Messer.
Schwere Fehler von Van Staa
Was die Länderergebnisse im Detail betrifft, ortet der OGM-Experte "schwere strategische Fehler" beim Tiroler VP-Chef Herwig van Staa, der sich ein Ergebnis besser als Erwin Pröll und damit über 53 Prozent gewünscht habe: "Da kann der Van Staa ein bissel nach Osten blicken und sich von Erwin Pröll etwas abschauen." Dieser habe vor seinem Wahlsieg im März ähnliche Umfragedaten gehabt, aber immer abgewiegelt.
Grüne sind die "wahren Sieger"
Die "wahren Sieger" der beiden Wahlgänge sieht Bachmayer bei den Grünen. Mit einer Politik, die auch Bürgerliche anspricht, "gewinnt man bei den Wahlen das, was die Umfragen vorhersagen. Das sei anderen Grünen mehrfach ins Tagebuch geschrieben".
Regierungsbruch könnte Klubstärke gefährden
Ulram sagte, so, wie sich die FPÖ in der letzten Zeit präsentiert habe, sei es falsch gewesen. Denn wenn ein Wähler die Opposition will, dann wählt er diese - aber eben nicht die FPÖ. Allerdings, zum jetzigen Zeitpunkt die Regierung zu verlassen, würde sich für die FPÖ katastrophal auswirken. "Da wäre dann sogar die Klubstärke fraglich." (APA/red)
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