"profil": VP-Wissenschaftssprecherin Brinek als Uni-Assistentin pragmatisiert
- Von Uni abgelehnt, vom Ministerium anerkannt - Noch vor 2 Jahren stimmte sie gegen Pragmatisierungen
- Broukal: ÖVP drückt bei sich selbst beide Augen zu

Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, wurde die VP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek als Assistenzprofessorin am Institut für Erziehungswissenschaft der Uni Wien mit Wirkung vom 1. Juli 2003 pragmatisiert. Für SPÖ-Broukal ist die Pragmatisierung einer ausgewiesenen Pragmatisierungs-Gegnerin ein Skandal.
Als Nationalratsabgeordnete hatte Brinek im Juli 2001 für das neue Dienstrecht an Österreichs Universitäten votiert, das für Universitätsassistenten keine Pragmatisierung mehr vorsieht.
Ansuchen gerade noch vor Rechts-Änderung
Brinek hatte ihr Ansuchen um Definitivstellung noch knapp vor dem Inkrafttreten des neuen Dienstrechts eingebracht. Dieses war von der Universität nach Einholung von Gutachten über Brineks fachliche Qualifikation zwar eindeutig abgelehnt worden, seitens des Bildungsministeriums wurde dem Ansuchen nun aber entsprochen.
Uni: nein. Ministerium: ja.
Brinek hält das Vorgehen für unproblematisch: "In jedem Fall entscheidet das Ministerium auf der Basis von Gutachten." Ihr Bescheid enthalte sogar eine neunseitige Expertenbegründung, die sie aber nicht offenlegen will.
Broukal zu Brinek: ÖVP drückt bei sich selbst beide Augen zu
Für SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal zeigt die Pragmatisierung von ÖVP-Wissenschaftssprecherin Brinek deutlich, dass in der ÖVP "mit zweierlei Maß gemessen wird". Broukal am Sonntag: "Das Motto der ÖVP: Mit voller Härte gegen die Menschen in diesem Land, wenn es aber um die eigene Mannschaft geht, drückt man beide Augen zu und schafft so Unrecht."
Mit 51 noch schnell pragmatisiert
Broukal erinnerte an eines der wesentlichen Ziele der Universitätsreform, nämlich, dass es den Typus des pragmatisierten Assistenten, der keinen Sinn darin sieht, sich mit einer Habilitierung und bahnbrechenden Forschungsergebnissen wissenschaftlich fortzuentwickeln, nicht mehr gibt. "Interessant" sei in diesem Zusammenhang, dass bei Brinek mit 51 Jahren noch eine Pragmatisierung möglich ist.
Broukal kündigte eine parlamentarische Anfrage an die Bildungsministerin an. Er möchte von Gehrer wissen, wie viele Pragmatisierungen von Universitätsassistenten seit Inkrafttreten des neuen Dienstrechts durchgeführt wurden und welches Lebensalter diese Pragmatisierten haben.
(red)










