Mittwoch, 24. September 2003

Der Kampf um die Krone

  • Im Krieg um die Krone hat die letzte Schlacht begonnen.

NEWS exklusiv. Ein Brief an den „Krone“-Chef enthüllt: So will die WAZ Dichand wegen „Pflichtverletzung“ feuern.

Es ist ein knappes, dreiseitiges Schreiben, das dem „Krone“-Boss Hans Dichand Mitte dieser Woche zugehen soll. Der Inhalt jedoch hat gehörige Sprengkraft, ist quasi die „Kriegserklärung“ der deutschen „Krone“-Miteigentümer an den betagten Gründer des Kleinformates mit derzeit in der Welt der Tageszeitungen unschlagbarer Reichweite: Die Manager der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ werfen Dichand darin schlicht die „Verletzung seiner Pflichten als Gesellschafter“ des Verlages vor. Ein schwer wiegender Vorwurf, der dramatische Konsequenzen haben könnte.

Brisantes Interview. Auslöser des Tiefdruckwirbels über dem „Krone“-Imperium pünktlich zu Herbstbeginn: ein Interview des Dichand-Filius Michael, das dieser dem Medienblatt „Der österreichische Journalist“ gab und in dem er der auch in Kroatien tätigen WAZ-Gruppe vorwirft, mit der Mafia zusammenzuarbeiten. Kernsatz aus dem geharnischten Vortrag über die angeblichen Geschäftsverbindungen der WAZ mit der kroatischen Europa Press Holding (EPH): „Es gibt eine Regelung, einen Geheimvertrag, der zwischen der WAZ und der GRUPO abgeschlossen wurde. In diesem (…) steht eben drinnen, dass die GRUPO an allen Geschäften, die die WAZ am Balkan tätigt, mit zumindest 25 Prozent beteiligt sein muss.“ Und weiters: „Die GRUPO ist eine Mafiavereinigung, die aus vier Herren besteht.“

Der Konflikt zwischen dem 50-Prozent-Eigner WAZ, der zunehmend Einfluss auf die Geschicke der „Krone“ nehmen will, und dem (ebenfalls 50-prozentigen) Konterpart Hans Dichand, der seine Macht nicht zuletzt durch die Installierung seines zweiten Sohnes, Christoph, als Chefredakteur absichern will, hatte damit eine neue Eskalationsstufe erreicht, die dem deutschen „Spiegel“ diesen Montag ganze drei Seiten wert war.

WAZ-Protest. Anfang dieser Woche erwiderte die WAZ-Konzernzentrale in Essen das Feuer. WAZ-Chef Erich Schumann: „Die Anwürfe des Dichand-Sohnes sind so absurd, dass die WAZ sie durch Kommentare nicht aufwerten will. Er wird sich in Kürze vor Gericht verantworten müssen. Es wird peinlich für ihn werden.“ Ultimativ wird Vater Dichand aufgefordert, sich – bis diesen Dienstag – von seinem Filius zu distanzieren.

Keine Entschuldigung. Noch am frühen Dienstagabend, also knapp vor Ablauf des Essener Ultimatums, ließ Dichand-Sohn Christoph, gegen den WAZ-Willen installierter „Krone“-Chefredakteur, im kleinen Kreis keinen Zweifel offen: „Wir werden uns sicher nicht distanzieren.“ Auch Dichands Anwältin Huberta Gheneff stellte gegenüber NEWS klar: „Es gibt keine Sippenhaftung in Österreich.“

Schwerer Vorwurf. Darauf wurde von WAZ-Seite die nächste Rakete gezündet. WAZ-Anwalt Daniel Charim setzte in seiner Kanzlei in der Wiener Wasagasse Dienstagabend eine Kriegserklärung Richtung Muthgasse, dem Sitz der „Krone“, in Bewegung. Der Brief, der auch NEWS vorliegt, stützt sich auf ein Zitat des Seniors aus einem Interview in der „Presse“. Dort hatte Dichand bezüglich der WAZ’schen Ostkontakte sinniert: „Sie werden sehen, da kommt noch was nach.“

Die ganze Story lesen Sie im neuen NEWS
PLUS: Der Geheimbrief: Kriegserklärung der WAZ
PLUS: Dichands Ältester wirft der WAZ „Mafiakontakte“ vor
PLUS: Der WAZ-Brief an Hans Dichand im Wortlaut

24.9.2003 16:29