Der Mohr erwacht: Meinl startet weltweit mit Coffeeshops neu durch
- NEWS: US-Handelsriese Wal-Mart wird potenter Partner des Kaffeerösters

Das Duell Julius Meinl contra Starbucks: Fünf Jahre nach Verkauf der Lebensmittelkette geht Meinl mit dem Aufbau einer Edel-Cafetier-Marke wieder in die Offensive. Und hat mit dem US-Handelsriesen Wal-Mart einen potenten Partner. Für ein Gegenmodell gegen die Instant-Kaffee-Unkultur, sozusagen.
An die Konsumation von Zeitungen und klassischer Musik hat man sich in Chicago bereits gewöhnt, die Bestellung von "Gugelhupf" und "Apfelstrudel" erweisen sich jedoch noch als veritable Zungenbrecher.
Seit das erste "Julius Meinl Café" vergangenen November in Chicago seine Pforten geöffnet hat, wird das Kaffeehaus im imperialen Wiener Stil gestürmt. Der Meinl Coffeeshop begeistert aber nicht nur 1.200 Gäste täglich, sondern auch die weltweit größte Lebensmittelkette Wal-Mart mit rund 250 Mrd. Euro Umsatz in weltweit knapp 4.400 Einkaufstempeln.
So kam es, dass Wal-Mart bei Meinl in Wien vorstellig wurde, um die traditionsreiche Wiener Marke als Partner für die Einkaufszentren zu gewinnen. Fazit: In wenigen Wochen wird das erste "Wiener Kaffeehaus Julius Meinl" im Wal-Mart-Center Dortmund eröffnet, weitere für Deutschland sind bereits geplant. Verläuft diese Kooperation erfolgreich, können Dutzende Coffeeshops in Europa und den USA folgen.
Kulturelle Gegenrevolution
Damit steht der traditionsreiche Familienkonzern Julius Meinl fünf Jahre nach dem Verkauf der österreichischen Handelskette vor einem Neustart. Dabei war das Meinl Café in Chicago ursprünglich als "kulturelle Gegenrevolution" zur Expansion der US-Kette "Starbucks" geplant. In der Starbucks-Hochburg Chicago (gut 200 Coffeeshops) wollte Meinl beweisen, dass Österreich die Kaffeehoheit innehat. "Manche haben Tradition, andere aber nicht", bringt es Julius Meinl V., Vorstand des Familien-konzerns, auf den Punkt. Das Rezept dazu: Kaffee nach Wiener Art, österreichische Mehlspeisen, imperialer Charme und klassische Musik - sogar zeitweise live. Die Rechnung scheint nun tatsächlich aufzugehen. Für das erste Jahr rechnet Meinl-Vorstand Stephan Visy mit einem Umsatz von einer Million Dollar im Chicago-Café.
Nicht in Österreich
Die Expansionspläne für eine "Julius Meinl Café"-Kette liegen bereits in der Schublade. "Die ersten Kaffeehäuser werden wir selbst führen, aber wenn die Marke eingeführt ist, wollen wir auf Franchise-Basis arbeiten", erläutert Visy. Österreich wird allerdings noch länger auf einen Coffeeshop à la Meinl warten müssen. "Wir beliefern 30 Prozent der Gastronomie mit unseren Kaffeesorten "Julius Meinl, "Arabica", "Caffè del Moro" und "Zumtobel" und sind damit heimischer Marktführer. Wir wollen unseren Kunden keine Konkurrenz machen", so Visy.
Kaffee-Expansion
Das Coffeeshopkonzept entspricht ganz den Vorgaben von Julius Meinl V., der den Konzern völlig neu ausgerichtet hat und selbst die Meinl Bank von der Wiener Zentrale aus höchst erfolgreich führt. Unrentable Bereiche wie die Lebensmittelkette wurden abgestoßen, neue profitable Sparten werden gesucht und ausgebaut.
Das respektable Familienvermögen garantiert einen sehr langen Atem. Die Kernkompetenz Kaffee spielt aber nach wie vor eine sehr bedeutende Rolle. Die Industriedivision, die auf Kaffee, Tee und Marmelade konzentriert wurde, wird heuer um über fünfzig Prozent wachsen und rund 74 Mio. Euro umsetzen. Verantwortlich für den Umsatzschub sind Akquisitionen in Norditalien.
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