Mittwoch, 24. September 2003

VKI: Beratungsmängel bei fonds-gebundener Lebens-Versicherung

  • Kaum Information über Kosten - Verkauf mit falschen Argumenten an falsche Personen

Fondsgebundene Versicherungen werden in Österreich oft mit falschen Argumenten an die falschen Personen verkauft, kritisiert der Verein für Konsumenteninformation (VKI). Grundsätzlich wird das Produkt Fonds gebundene Lebensversicherung nicht schlecht beurteilt, allerdings orten die Konsumentenschützer Mängel in der Beratung, vor allem über die Höhe der Kosten.

Das Produkt sei riskant und für Kunden geeignet, die sich auskennen, über etwas "Spielgeld" verfügen und einen langen Atem haben, so VKI-Obmann Harald Glatz am Mittwoch in einer Pressekonferenz. Beschwerden von Konsumenten häufen sich.

Kosten bis 1/4 der angesparten Summe!
Die Renditen hielten nicht, was sie versprechen, tatsächlich seien es "mickrige Sätze". Die Kosten seien hoch und würden nicht ausreichend dargestellt, ihre tatsächliche Höhe herauszufinden sei sehr schwierig, "man erlebt Überraschungen", so Glatz. Einer im Testmagazin "Konsument" veröffentlichten Untersuchung von 12 Produkten zufolge betragen die Kosten für eine über 32 Jahre angesparte Prämiensumme von 38.400 Euro zwischen 6.780 und 9.219 Euro, können also bis fast zu einem Viertel der angesparten Summe gehen.

Selbst das billigste Produkt wirft nach Berechnungen der Konsumentenschützer relativ geringe Erträge ab: Bei einer angenommen Performance von 6 Prozent liegt die Nettorendite nach zehn Jahren bei 2,7 Prozent, bei 3 Prozent Performance liegt sie sogar mit 0,3 Prozent im Minus. Für eine Laufzeit von 15 Jahren kann bei 6 Prozent Performance eine Nettorendite von 3,6 Prozent erzielt werden, bei 3 Prozent Performance sind es 0,6 Prozent. Nach zwanzig Jahren beträgt die Nettorendite 4,0 Prozent (bei 6 Prozent Performance) bzw. 1,1 Prozent (bei 3 Prozent Performance).

Das seien "mickrige Sätze", die der Konsument aber nicht sehe, so Max Reuter, Leiter der VKI-Abteilung Finanzdienstleistungen. Geworben werde mitunter auch mit einer jährlichen Performance von 12 Prozent über zwanzig Jahre. Das sei angesichts der derzeitigen Kapitalmarktsituation "fahrlässig".

Beim Erhalt des ersten Kontoauszuges, der zudem vielfach erst nach drei Jahren und nicht wie vorgeschrieben nach einem Jahr geliefert werde, erlebe der Kunde oft die Überraschung, dass am Konto weniger als die eingezahlte Prämie aufscheine, weil zuerst die Kosten abgezogen werden.

Als erstes Standbein zur privaten Altersvorsorge sei die Fonds gebundene Lebensversicherung ungeeignet, sie sollte auf Grund des möglichen Kapitalverlusts nur als zusätzliche Vorsorge in Erwägung gezogen werden, so der VKI.
(apa, red)

24.9.2003 13:24