Dienstag, 23. September 2003

Gewalt in Stadien: Italiens Regierung droht mit Generalangriff

  • Scharfe Sicherheitsmaßnahmen beschlossen
  • Napoli-Fan nach Randale in Avellino gestorben (Kasten rechts)

Die italienische Regierung startet einen Generalangriff gegen die Plage der Gewalt in den Fußball-Stadien. Grund sind die schweren Krawalle am Rande des Serie B-Match Avellino-Napoli. Notfalls will die Regierung jene Fußballspiele verbieten, die für die Öffentlichkeit gefährlich sein könnten. "Sollten es die Umstände erfordern, hätte ich keine Probleme, ein Spiel zu verbieten, das konkrete Risikogefahr für die Sicherheit darstellt", betonte Innenminister Giuseppe Pisanu. Die gefährdeten Partien könnten in gesperrten Stadien gespielt werden.

Der Minister will die Fußballklubs unter Druck setzen und sie zwingen, eine aktivere Rolle für die Sicherheit der Stadien zu spielen. Jeder Klub soll ein Komitee für die interne Sicherheit haben, welches bei Auswärtsspielen die Fans begleitet und der Polizei Hooligans anzeigt, meinte Pisanu. In allen Stadien sollen die Sicherheitsvorkehrungen und die Videokontrollen verschärft werden, betonte der Minister. Die Klubs werden am Tag vor Beginn der Spiele keine Karten unter ihrem Marktpreis verkaufen können.

"Die Sicherheit der friedlichen Tifosi und der Polizisten ist wichtiger als die Meisterschaft", betonte der Innenminister, der ein Notstandstreffen mit Liga-Chef Adriano Carraro und dem Präsidenten des Fußballverbands, Franco Carraro, einberief. Krawalle befürchtete der Minister auch am Rande des Serie B-Spiels Verona-Napoli am (heutigen) Dienstagabend. Polizeichef Gianni De Gennaro forderte seine Einheiten auf, verstärkt auf Vorbeugung zu setzen.

Die Ermittlungen gegen die Gewalttätigen laufen inzwischen auf Hochtouren. Ein 26-jähriger Hooligan wurde festgenommen, Dutzende von anderen Fans wurden identifiziert. "Wir hoffen, dass die Verantwortlichen so bald wie möglich bestraft werden", sagte der Innenminister.

Der italienische Fußball wird immer stärker von Fan-Ausschreitungen überschattet und damit für den Staat immer teurer. "Die Zahl der Fußballspiele mit verletzten Fans hat sich in dieser Saison verdoppelt, die Anzahl der bei Spielen verletzten Polizisten mehr als verdreifacht", klagte Giuseppe Pisanu im römischen Parlament.

Auch die Spielergewerkschaft AIC zeigte sich wegen der eskalierenden Gewalt in Italien besorgt. "Die Spieler sind müde, in diesem gewalttätigen Klima leben zu müssen. Der Sport ist ein Opfer dieses Zustands", sagte AIC-Chef Sergio Campana.

(apa/red)

23.9.2003 12:03