Samstag, 27. September 2003

Gewalt im Irak: US-Soldaten erschießen Zivilisten

  • Vermutlich zwei Frauen unter den Toten, mindestens 4 Verletzte
  • Bagdad: US-Quartier beschossen, Explosion in Munitions-Depot

US-Soldaten haben am Freitagabend in der Stadt Falluja mindestens zwei Iraker getötet. Die US-Armee hat die Tötung von Zivilisten durch US-Soldaten eingeräumt. Am Freitagabend habe ein irakisches Fahrzeug nicht an einer amerikanischen Straßensperre angehalten, woraufhin US-Soldaten in dessen Richtung geschossen hätten, teilte die Armee am Samstag in Bagdad mit. Dabei seien zwei Iraker getötet und vier verletzt worden.

Nach Krankenhausangaben starben bei dem Vorfall mindestens vier irakische Zivilisten, unter ihnen zwei Frauen. Den Angaben zufolge schossen die US-Soldaten in der 50 Kilometer westlich von Bagdad gelegenen Stadt auf mehrere Autos. Wie ein AFP-Reporter aus dem Krankenhaus in Falluja berichtete, wurden mindestens acht Menschen verletzt, davon vier schwer.

Aufgebrachte Menge
Augenzeugen zufolge riefen Geistliche in den Moscheen zu Blutspenden auf. Vor einem Krankenhaus versammelten sich etwa 2.000 wütende Menschen, die US-feindliche Parolen riefen.

In der überwiegend von Sunniten bewohnten Stadt gibt es fast täglich bewaffnete Zusammenstöße zwischen Besatzungssoldaten und Irakern. Erst am Dienstag waren bei einem Angriff der US-Armee auf zwei Wohnhäuser im Norden von Falluja drei Anwohner getötet worden.

19 El-Kaida-Mitglieder festgenommen
Nach Angaben von US-Zivilverwalter Bremer haben die US-Armee und ihre Verbündeten im Irak bisher 19 El-Kaida-Mitglieder festgenommen. Nähere Angaben zur Nationalität der 19 Gefangenen machte Bremer allerdings nicht. Insgesamt hätten die Truppen zur Zeit 248 "ausländische Kämpfer" in Gewahrsam, 123 davon seien Syrer. Neben Angehörigen des Terrornetzwerks El Kaida seien auch Mitglieder der Gruppe Ansar al Islam gefangen genommen worden.

Die Gewerkschaft der UNO-Mitarbeiter forderte unterdessen eine weitere Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen für das im Irak stationierte UNO-Personal. Die Sicherheit der Mitarbeiter müsse oberste Priorität haben, hieß es in einer Erklärung. Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen müssten ergriffen werden. Noch vor wenigen Tagen hatte die Gewerkschaft überhaupt den Abzug aller UNO-Mitarbeiter aus dem Irak gefordert.

Granate auf Hotel der US-Armee
Unbekannte haben am Samstagmorgen in Bagdad ein Hotel angegriffen, in dem Vertreter der US-Besatzungsmacht untergebracht sind. Wie die US-Armee in der irakischen Hauptstadt mitteilte, wurde das Rashid-Hotel mit einer Granate angegriffen. Über mögliche Verletzte gab es zunächst keine Angaben.

Explosion in Munitions-Depot
Bei einer Explosion in einem Depot für Sprengstoff und Munition sind 35 Iraker getötet und weitere Menschen verletzt worden. Wie die in Bagdad erscheinende Zeitung "Al-Sabah" am Samstag berichtete, hatten sich Dutzende von Plünderern am Freitag aus den Beständen der ehemaligen irakischen Armee in einem Vorort der Stadt Wasit, rund 130 Kilometer südlich von Bagdad, bedienen wollen. Dabei seien drei Lagerhallen plötzlich in Brand geraten. Ähnliche Unfälle hatte es in den Monaten seit dem Einmarsch der US-Armee im Irak bereits mehrfach gegeben. (apa/red)

27.9.2003 08:07