Freitag, 26. September 2003

Vatikan: Papst ernennt Ende Oktober 31 neue Kardinäle

  • Kirchenoberhaupt setzt damit Spekulationen ein Ende
  • Fast Not-OP des Papstes am Dienstag, Audienz abgesagt

Papst Johannes Paul II. hat allen Spekulationen der letzten Tage ein Ende gesetzt und offiziell bekannt gegeben, dass er Ende Oktober 31 neue Kardinäle ernennen wird. Das gab der Heilige Vater laut Kathpress am Sonntag beim Angelus-Gebet auf dem Petersplatz in Rom bekannt. Die neuen Kardinäle sollen bei einem Konsistorium am 21. Oktober die Zeichen ihrer Würde erhalten.

Einer der 31 Kandidaten wurde "in pectore" ernannt, das heißt, dass sein Name wegen der schwierigen politischen Umstände in seinem Land vorerst nicht bekannt gegeben wird. Unter den neuernannten Kardinälen sind mehrere hochrangige Kurienfunktionäre, so der vatikanische "Außenminister" Jean-Louis Tauran, der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden ("Iustitia et Pax"), Renato Martino, der Präsident des Päpstlichen Rates für die Interpretation von Gesetzestexten, Julian Herranz, der Präsident der Güterverwaltung des Heiligen Stuhls, Attilio Nicora, und der Erzpriester von St. Peter im Vatikan, Francesco Marchisano.

Wahlberechtigte Neo-Kardinäle
Die anderen wahlberechtigten Neo-Kardinäle sind Erzbischöfe wichtiger Diözesen in verschiedenen Weltteilen. In Italien erhob der Papst den Patriarchen von Venedig (Angelo Scola) und die Erzbischöfe von Florenz (Ennio Antonelli) und Genua (Tarcisio Bertone) zu Kardinälen, in Frankreich die Erzbischöfe von Lyon (Philippe Barbarin) und Marseille (Bernard Panafieu), in Spanien den Erzbischof von Sevilla (Carlos Amigo Vallejo). Auch der ungarische Primas (Peter Erdö) und sein kroatischer Kollege (Josip Bozanic) erhalten den Purpur. In Lateinamerika kamen nur die Erzbischöfe von Rio de Janeiro (Oscar Eusebio Scheid) und Ciudad de Guatemala (Rodolfo Quezada Toruno) zum Zug, in Nordamerika die Erzbischöfe von Quebec (Marc Ouellet) und Philadelphia (Justin Rigali).

Besondere politische Bedeutung kommt der Kardinalserhebung des Erzbischofs der sudanesischen Hauptstadt Khartum, Gabriel Zubeir Wako, und des Erzbischofs von Saigon, Barthelemy Nguyen Son Lam, zu.

Kardinäle bis 80 wahlberechtigt
Kardinäle sind bis zur Vollendung des 80. Lebensjahres zur Papstwahl berechtigt. Bisher gab es 109 wahlberechtigte Kardinäle. Von den Neuernannten sind 26 unter 80, sodass sich die Zahl auf 135 erhöht.

Vor mehreren tausend Gläubigen predigte der Papst erstmals seit der Sommerpause und nach seinen jüngsten gesundheitlichen Krisen wieder im Petersdom. Anders als bei einigen seiner Auftritte in der Slowakei sprach der Papst mit verständlicher Stimme und verlas seine gesamte Predigt selbst. (apa)

26.9.2003 22:03