Drama um Sterbehilfe in Frankreich: Sohn konnte endlich sterben
- Gelähmter konnte nur einen Daumen bewegen. Mutter gab ihm Schlafmittel, wurde verhaftet. Vincent lebte weiter - bis er am Freitag seinen lang ersehnten letzten Atemzug tat
Vincent Humbert ist tot. Er wollte sterben, aufgrund einer Querschnittslähmung konnte er sich seinen Wunsch nach Erlösung allerdings nicht selbst erfüllen. So flößte ihm seine Mutter am Donnerstag Gift ein, am Freitag starb der junge Mann nun. Doch: Handelt es sich bei der Tat seiner Mutter um Mord? In Frankreich brach eine Debatte um die Euthanasie aus.
Die 48-jährige Marie Humbert wurde am Donnerstag in Berk-sur-Mer nahe der nordfranzösischen Großstadt Lille zunächst in Untersuchungshaft genommen, weil sie nach eigenem Eingeständnis versucht hatte, dem Wunsch ihres 21-jährigen Sohnes Vincent nach Sterbehilfe nachzukommen. Zu diesem Zeitpunkt lebte ihr Sohn noch, die Ärzte hatten Humbert Pläne vorerst vereitelt. Am Freitag verstarb Vincent allerdings doch.
Seit einem schweren Verkehrsunfall im Jahr 2000 war Vincent Humbert querschnittgelähmt, stumm und nahezu blind. Er hatte mit Hilfe des Journalisten Frederic Veille, der seine Leiden in dem Buch "Je vous demande le droit de mourir" ("Ich erbitte von Euch das Recht zum Sterben") aufzeichnete, öffentlich um Sterbehilfe gebeten und dafür auch ein Gesuch an Präsident Jacques Chirac gerichtet.
Die Justizbehörden in Lille stellten klar, die Untersuchungshaft für die Mutter sei für die Ermittlungen erforderlich, die Frau werde aber vor allem zu ihrem eigenen Schutz festgehalten. Sie habe auch einen Psychologen konsultieren können. Donnerstag Abend wurde sie wieder auf freien Fuß gesetzt.
Vincent Humberts Buch ist ein aufrüttelnder Ruf nach dem Recht zum Sterben. "Ich bin seit dem 24. September 2000 tot, man hält mich am Leben, ich weiß nicht, für wen oder für was", heißt es in dem Buch. "Je länger das dauert, um so weniger kann ich mir vorstellen, wie eine verdörrte Frucht auf einem Krankenhausbett zu sterben." Schon im Vorgriff erbat der Sohn, seine Mutter dürfe wegen Sterbehilfe nicht verurteilt werden: "Verurteilt sie nicht, was sie für mich tun wird, ist der schönste Liebesbeweis der Welt." (APA/red)
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