Donnerstag, 25. September 2003

Kelly-Affäre: Kommt zweiter U-Ausschuss gegen Blair?

  • Bereits jeder zweite Brite fordert Rücktritt von Premier Blair
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Der britischen Premierminister Blair muss sich möglicherweise auf eine zweite Untersuchung zum Tod des Waffenexperten David Kelly gefasst machen. Ein Untersuchungsrichter kündigte in der Zeitung "The Times" an, seine eigene Untersuchung zum Selbstmord des früher im Irak eingesetzten Wissenschaftlers eventuell neu aufzurollen. Die Kelly-Affäre hat Blairs Regierung in ihre schwerste Krise gestürzt, mittlerweile fordert jeder zweite Brite den Rücktritt Blairs.

Kelly hatte sich im Juli augenscheinlich das Leben genommen, nachdem bekannt geworden war, dass er die Quelle für einen regierungskritischen Irak-Bericht der BBC gewesen war. In dem Bericht war der Regierung vorgeworfen worden, die Bedrohung durch den Irak aufgebauscht zu haben, um einen Krieg gegen das Land zu rechtfertigen.

Untersuchungsrichter Nicholas Gardiner aus Kellys Heimat- Grafschaft Oxfordshire sagte der "Times", er wolle zunächst den bis Dezember angekündigten Bericht der Kelly-Untersuchungskommission unter der Leitung von Lordrichter Hutton abwarten und dann eine Entscheidung treffen. Dem Blatt zufolge hatte der Richter seine eigene Untersuchung zu Beginn der Prüfung des Vorfalls durch Hutton unterbrochen.

Gardiner sagte der Zeitung, mindestens fünf Zeugen hätten eine Weitergabe ihrer Polizei-Aussagen an Hutton abgelehnt. "Warum die Betreffenden ihre Bekundungen nicht vorlegen wollen, weiß ich nicht", sagte er. Falls nötig, werde er sich aber die Aussagen vorlegen lassen. Die Polizei hat dem Bericht zufolge von mehreren hundert Zeugenaussagen die rund 70 als am wichtigsten erachteten an die Hutton-Kommission weitergeleitet. Voraussetzung sei jedoch die Zustimmung der Zeugen gewesen. (APA/red)

25.9.2003 16:56