Samstag, 27. September 2003

Krieg um "Krone": "David" Dichand vs. "Goliath WAZ"

  • Hauptgesellschafter im "Spiegel": "Wir werden zurückschießen"
  • Deutsche wollen Rücktritt des Wiener Hälfteeigentümers

Nächste Runde im Krieg um Österreichs - zumindest nach Auflage - größte Tageszeitung, die "Krone": Nachdem der deutsche Hälfteeigentümer WAZ diese Woche angekündigt hat, Gesellschafter Hans Dichand per Gericht zum Rücktritt zwingen zu wollen, will dieser nun "zurückschießen". Er sieht sich selbst im "Spiegel" als "David", der gegen "Goliath WAZ" zu Felde ziehen muss.

Hans Dichand will von den Aussagen seines Sohns Michael über die angeblichen Mafia-Verbindungen der WAZ-Gruppe am Balkan "nichts gewusst" haben. Dies betont er in einem "Spiegel"- Interview. "Ich sehe mich im Kampf gegen den Goliath WAZ als David", so der Zeitungschef. Dichand und WAZ halten je 50 Prozent an der Zeitung, die WAZ will vor Gericht Dichands Abberufung als Geschäftsführer erreichen.

Bei der WAZ ist man überzeugt, dass Dichand von den Vorhaben seines Sohnes in Sachen Mafiavorwürfe unterrichtet war, habe er doch mehrmals angekündigt, es werde "noch etwas kommen". Als Geschäftsführer wäre es Dichands Pflicht gewesen, diese nach Ansicht der WAZ verleumderischen Aussagen zu verhindern, meint man in Deutschland.

Dazu Dichand im "Spiegel": "Ich sage auch jetzt, da kommt noch was, aber von mir. Wir werden zurückschießen." Auch den Vorwurf, Dichands anderer Sohn Christoph, Chefredakteur der "Krone", missbrauche die Zeitung, um Unternehmen, an denen er beteiligt ist, zu promoten, weist Dichand als einen "Witz" zurück. Es gehe lediglich um "zwei Artikel", und die WAZ "kann gar nichts dagegen haben", betont er: "Sie war es nämlich, die darauf bestanden hat, dass beiden Gesellschaftern jährlich 50 'Krone'-Seiten für kostenlose Inserate zur Verfügung stehen - ich wäre gar nicht auf diese Idee gekommen. Mein Sohn nutzt das jetzt, so wie es die WAZ seit 1987 tut."

Bei der WAZ hat man indessen gleich zwei Papiere erstellt, in denen "Pflichtverletzungen von Hans Dichand" als Hauptgeschäftsführer der "Kronen Zeitung" aufgeführt werden. Neben "öffentlich bekannten Pflichtverletzungen" wurden in den der APA vorliegenden Papieren auch "öffentlich nicht bekannte Pflichtverletzungen" gesammelt. (APA/red)

27.9.2003 15:05