Donnerstag, 25. September 2003

WAZ definiert Ziel: "Dichand sen. muss Amt abgeben!"

  • Krieg um die "Krone": Deutsche wollen aber keine Mehrheit

"Wir wollen, dass Dichand senior als Geschäftsführer abgesetzt wird": Das ist das einzige Ziel der WAZ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung) im Krieg um die "Krone". Hans Dichand senior und WAZ sind je zur Hälfte Eigentümer an Österreichs größter Tageszeitung. Wie berichtet, ziehen die Deutschen jetzt vor Gericht, um Dichand absetzen zu lassen!

Die WAZ betonte am 26. September in einer Aussendung, kein Interesse an der Aufstockung ihres 50-prozentigen Anteils an der "Kronen Zeitung" zu haben. Einziges Ziel der Klage gegen Hans Dichand, der die andere Hälfte an der größten österreichischen Tageszeitung hält, sei seine Enthebung als Geschäftsführer.

"Es ist aus Sicht der WAZ-Mediengruppe nicht möglich, die Führung des Unternehmens und seiner Mitarbeiter weiterhin Hans Dichand zu überlassen." Keinesfalls aber gebe es die Absicht, die "Krone" unter "deutsche Führung zu bringen", hieß es weiters. "Demgemäß soll die 'Krone' auch in Zukunft nur von österreichischen Journalisten gestaltet werden. Die 'Krone' muss eine österreichische Zeitung bleiben."

WAZ: Monatelanges Bemühen um Einigung gescheitert
Die WAZ in einer Stellungnahme: Man habe sich "monatelang darum bemüht", von Dichand "Antworten zu wesentlichen Fragen des Unternehmens zu erhalten und ihn zum Tätigwerden in dringenden Angelegenheiten zu bewegen". Der 82-jährige "Krone"-Gründer und Hälfteeigentümer habe "sämtliche an ihn gerichteten Aufforderungen unbeachtet gelassen".

Am 24. September sei eine Reaktion Dichands bei der WAZ eingelangt. Diese habe sich als "völlig unzureichende, ausweichende Stellungnahme" entpuppt, "die zum Teil überdies den Tatsachen nicht entspricht".

Fazit der WAZ: "Es ist - im Interesse des Unternehmens - nicht möglich, diesen Zustand hinzunehmen."

WAZ forderte Stellungnahme von Dichand sen.
Die ungeduldig erwartete und letzlich enttäuschende Stellungnahme des Zeitungszaren war nach der jüngsten Gesellschafterversammlung Anfang September eingefordert worden, die nach kurzer Zeit abgebrochen worden war.

Auf der Tagesordnung wäre der Bericht Dichands in seiner Funktion als Hauptgeschäftsführer und Herausgeber an die Gesellschafter gestanden. Nach Ansicht der WAZ-Gruppe benutzt Chefredakteur Christoph Dichand die "Kronen Zeitung", um Unternehmen, an denen er beteiligt ist - etwa das Online- Auktionshaus OneTwoSold - zu promoten. Dichand jr. hatte diese Vorwürfe zurückgewiesen.

"Balkan-Mafia"
Noch während die Frist für diesen Bericht lief, sorgten die Aussagen von Michael Dichand, ebenfalls Sohn des "Krone"-Gründers, über angebliche Intensiv-Kontakte der WAZ zur "Balkan-Mafia" für Aufsehen und beträchtliche Verärgerung.

Die Deutschen forderten in einem der APA vorliegenden Schreiben gleich weitere Stellungnahmen und Reaktionen von Dichand ein. Der Vorwurf: Michael Dichands Aussagen seien verleumderisch, ruf- und geschäftsschädigend, Dichand senior hätte die Pflicht gehabt, einzuschreiten, sollte er schon im Vorfeld davon informiert gewesen sein. (APA/red)

25.9.2003 13:52