Dienstag, 23. September 2003

Operationen überstanden: Van der Bellen aus Krankenhaus entlassen

  • Bundessprecher kritisiert Vorgang bei voest-Privatisierung
  • Rückkehr in die Politik erst in zwei bis drei Wochen

Der Grüne Bundessprecher Alexander van der Bellen hat nach seiner Dickdarmoperation das Allgemeine Krankenhaus in Linz wieder verlassen können. "Es geht mir jeden Tag besser", sagte er im Gespräch mit der APA. In die Politik will er aber erst nach zwei oder drei Wochen Erholung bei Verwandten zurückkehren.

Auch die Wahl kämpfenden Grünen in Oberösterreich und Tirol können in den letzten Tagen vor dem Urnengang daher nicht mit seiner Unterstützung rechnen. Für die Landtagswahlen ist er sehr zuversichtlich: "Sowohl der Rudi Anschober (Grüner Spitzenkandidat in Oberösterreich, Anm.) als auch der Georg Willi (Grüner Spitzenkandidat in Tirol, Anm.) haben sich ihren Wahlsieg redlich verdient."

Thema voest: Keine Absicherung auf Dauer
Trotzdem meldete sich der Bundessprecher der Grünen gleich mit einem Kommentar zur aktuellen Tagespolitik zurück. Er hat kein Verständnis für die Vorgangsweise von Regierung und ÖVP bei der voestalpine-Privatisierung: "Zwischendurch habe ich mir schon gedacht, das ist jetzt schwer nachvollziehbar", so Van der Bellen. Nun sei zwar so etwas wie eine "österreichische Grundeigentümerschaft" gesichert, aber nur fürs erste. "Was dann ist, weiß niemand. Das kann auch niemand wissen", zeigte er sich skeptisch.

Van der Bellen kritisierte vor allem, dass zwischen den nunmehrigen Eigentümern der Voest keine Syndikatsverträge abgeschlossen worden seien, sondern nur Absichtserklärungen. Und es sei nur schwer vorstellbar, dass Banken und Versicherungen sich an derartige Vereinbarungen gebunden fühlten, wenn es einmal ins Geld gehe.

Für Syndikatsverträgen plädiert
Der Bundessprecher hätte also - etwa nach dem Vorbild der OMV, wo die Verstaatlichtenholding ÖIAG und die International Petroleum Investment Company (IPIC) von Abu Dhabi zusammen arbeiten - für das Abschließen von Syndikatsverträgen plädiert. "Aber so eine Lösung wurde offenbar nicht angestrebt von der ÖVP." Er hätte zudem die Privatisierung aufgeschoben und eine bessere Situation an der Börse abgewartet.

Zwei Operationen nötig
Van der Bellen war wegen einer entzündlichen Ausbuchtung am Dickdarm operiert worden, einer Erkrankung, die nach Angaben des behandelnden Arztes bei rund 20 Prozent der Über-55-Jährigen auftritt. Kurz darauf war dann wegen einer Entzündung im Bereich der Bauchdecke - vermutlich als Folge des ersten Eingriffes - eine weitere Operation nötig.

Von der Politik hat Van der Bellen wegen seiner Erkrankung zum Höhepunkt der Landtagswahlkämpfe eine Auszeit nehmen müssen. Auch die Klubklausur seiner Parlamentsfraktion in der Vorwoche in Linz musste er auslassen. Ganz abstinent war er freilich nicht, wie er einräumte: "Ein bissel bleibt man schon dran", meinte er. (apa/red)

23.9.2003 11:34