Samstag, 20. September 2003

Staat muss sparen: Arbeitszeit-Debatte in Deutschland

  • SPD-Schröder: Menschen müssten wieder länger arbeiten
  • CDU-Merkel für mehr Arbeitszeit bei gleichem Lohn

Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat sich für Einschränkungen beim Vorruhestand ausgesprochen. "Wir müssen erreichen, dass die Menschen wieder länger in Arbeit bleiben und Vorruhestand die Ausnahme wird", sagte er. CDU-Vorsitzende Angela Merkel hat sich für die Erhöhung der Arbeitszeit bei gleichem Lohn ausgesprochen und die Forderung der Wirtschaft nach Samstagsarbeit ohne Zuschläge begrüßt.

Das reale Rentenalter solle dem nominalen angeglichen werden, meinte Schröder in einem Zeitungsinterview. Der Bundeskanzler kündigte für Oktober ein "Konzept für die langfristige Alterssicherung" an. Bei der anstehenden Rentenreform setze er auf einen Konsens mit der Opposition.

Zugleich ließ Schröder aber offen, ob er die Union zu einem Rentengipfel einladen werde. "Ob das nun in einem Gespräch der Partei- und Fraktionsvorsitzenden oder im Parlament stattfindet, ist nicht die entscheidende Frage", sagte er. Es sei jedoch "gute Tradition" in Deutschland, dass Rentenfragen "stets parteiübergreifend gelöst" worden seien. Er hoffe, "dass dies unabhängig vom Parteienstreit auch diesmal möglich sein wird".


Merkel für mehr Arbeit bei gleichem Lohn
"Ich finde es richtig, dass auch die Wirtschaft jetzt eine Debatte beginnt, wie wir unsere Ressourcen wieder effektiver und besser zu vertretbaren Kosten nutzen können", schlägt Oppositionschefin Angela Merkel in dieselbe Kerbe. Das bedeute aber unter dem Strich, "dass die Arbeitszeit in Deutschland bei gleichem Lohn zunehmen und nicht abnehmen wird. Wir müssen tendenziell für dasselbe Geld länger arbeiten. Wir brauchen vor allem mehr Flexibilität bis hin zu Jahresarbeitszeitkonten, die es ja durchaus in einigen Branchen schon gibt."

Pensionsreform droht
Die deutsche Bundesregierung arbeitet auch nach Informationen anderer Zeitungen an einer Pensionsreform, die zu Einsparungen von etwa sechs Milliarden Euro führen soll. "Bild" etwa berichtete, für die Rentner sei 2004 eine Null-Runde vorgesehen. Die zum 1. Juli fällige Pensionserhöhung werde auf den 1. Jänner 2005 verschoben. Künftig würden die Erhöhungen jeweils zum Jahresanfang vorgenommen. Die Verschiebung führe zu Einsparungen von etwa einer Milliarde Euro.
(apa, red)

20.9.2003 08:37