Donnerstag, 18. September 2003

voestalpine: Megadeal ist unter Dach und Fach

  • Voest an der Börse: Am ersten Tag 1,3 % zugelegt! Schluss-Kurs bei 32,92 €
  • Für Betriebsrat "schwarzer Freitag", ÖVP voll zufrieden

Die voest-Privatisierung ist unter Dach und Fach. Das beherrschende innen- und wirtschaftspolitische Thema der letzten Wochen hat am Freitag unwiederbringlich seinen Abschluss gefunden. Von der ÖVP kamen durchwegs zufriedene Wortmeldungen.

An der Börse entwickelte sich die Aktie gut, Schlusskurs für das Voest-Papier am ersten Tag: 32,92 Euro, also 1,3% über dem Ausgabe-Preis.

Mehr als 50 Prozent rot-weiß-rote Aktionäre
Mehr als 50% sind jetzt in Händen österreichischer Aktionäre. Allerdings zersplittert: 3,3% für Kleinanleger, 5,7% für Große. Dazu die Mitarbeiterbeteiligung und Landes-Besitz. Ein einheitlicher, heimischer Kernaktionär ist nicht vorhanden.

Mit den der ÖIAG verbliebenen 15 Prozent, auf die eine Umtauschanleihe begeben wurde, liegt der Österreich-Anteil offiziell bei 65 Prozent. Oberösterreichs Landeshauptmann Pühringer legt in seiner Rechnung jeweils noch vier Prozent drauf.

Zur aktuellen Aktionärsstruktur: Rund 30 Prozent werden von oberösterreichischen Anlegern gehalten, weitere 10 von anderen Österreichern. 10,3 hält die Arbeitnehmerstiftung. Rund 35 Prozent der Voest befinden sich in ausländischem Besitz.

"Wäre mehr drin gewesen"
Für Kleinaktionärsvertreter Wolfgang Rasinger wäre bei der weiteren voestalpine-Privatisierung "wesentlich mehr drin gewesen", wenn Kleinaktionäre stärker berücksichtigt worden wären. Doch obwohl private Anleger nicht unbedingt im Hauptfokus gestanden seien, hätten sie "wacker gezeichnet", sagte der Präsident des Interessenverbandes der Anleger (IVA), aus seiner Sicht "sogar erstaunlich viel". Rasinger bedauert aber erneut das "überfallsartige" Tempo der Transaktion.

Mit ihren 3,3 Prozent könnten die Kleinanleger freilich "den Gang der Geschichte nicht ändern" und höchstens durch Wortmeldungen bei der Hauptversammlung auf ihre Interessen aufmerksam machen, so Rasinger. Er sei aber froh, dass Kleinanleger überhaupt von der Möglichkeit sich zu beteiligen Gebrauch gemacht hätten.

Schenz wollte mehr Börse
Richard Schenz, der Kapitalmarktbeauftragte der Bundesregierung, hätte beim voestalpine-Aktienverkauf eine größere Privatisierungs-Tranche über die Börse bevorzugt: "Lieber gewesen wäre mir ein niedrigeres Volumen der Wandelanleihe".

Halbe Milliarde Euro für die ÖIAG
Laut ÖIAG, war das Aktienangebot dreifach überzeichnet. Mit der Börsentransaktion hat die staatliche Beteiligungsholding nach eigenen Angaben 253 Mio. Euro erlöst, die Umtauschanleihe habe zusätzlich 245,2 Mio. Euro gebracht. In Summe nimmt die ÖIAG also 498,2 Mio. Euro, also knapp eine halbe Milliarde, ein.

Die ebenfalls noch zu fixierende Umtauschprämie war mit 22 bis 27 Prozent angegeben. Geliefert werden soll die Umtauschanleihe am 2. Oktober. (apa, red)

18.9.2003 22:40