Donnerstag, 18. September 2003

Hohe Bezüge: New Yorker Börsenchef zurückgetreten

  • Richard Grasso war der "Gagenkaiser" an der Wallstreet
  • Auszahlung von 140-Mio.-$-Paket wurde ihm zum Verhängnis

Der wegen seiner hohen Bezüge unter Druck geratene Chef der New Yorker Börse, Richard Grasso (Bild), ist zurückgetreten. Dies gab die New York Stock Exchange (NYSE) am Mittwochabend offiziell bekannt. "Dick bot an, zurückzutreten, sofern der Verwaltungsrat dies fordere, was der Rat tat und seinen Rücktritt annahm", teilte NYSE-Verwaltungsrat Carl McCall in einer Erklärung mit.

Die Entscheidung sei bei einer Sondersitzung des Verwaltungsrates getroffen worden, die Grasso wegen der öffentlichen Kritik an seinem Gehaltspaket von knapp 140 Millionen Dollar (125 Millionen Euro) einberufen hatte.

Zuletzt forderten mehrere demokratische Präsidentschaftskandidaten, darunter Senator Joe Lieberman, Grassos Rücktritt. Den Rücktrittsaufforderungen aus der Politik schlossen sich auch eine der größten Trader-Firmen, LaBranche & Co., sowie mehrere Pensions-Fonds an. Die Affäre war Ende August aufgeflogen.

Kalifornischer Anwalt möglicher Nachfolger
Die NYSE hat nach Angaben des "Wall Street Journal" Larry W. Sonsini, den Chef der Anwaltsfirma Sonsini Goodrich & Rosati in Palo Alto (Kalifornien) gebeten, als Interimsvorsitzender der Börse zu fungieren. Sonsini habe sich aber Bedenkzeit erbeten.

Grasso war seit 1995 Börse-Chef
Grasso hatte als Angesteller der New Yorker Börse angefangen und wurde 1995 zu deren Chef berufen. Der im Jahr 1946 im New Yorker Arbeiterviertel Queens geborene Grasso genoss über viele Jahre einen guten Ruf als hartnäckiger und cleverer Manager. Besonders großen Ruhm erntete er nach den Anschlägen am 11. September 2001 auf das nahe der Wall Street gelegene World Trade Center. Grasso sorgte damals dafür, dass die Börse nur sechs Tage nach den Attacken ihre Arbeit wieder aufnahm.

Zum Börsengeschäft kam Grasso eher zufällig. Als Jugendlicher arbeitete er in einer Apotheke, deren Chef ein leidenschaftlicher Anleger war. Auf dessen Anraten kaufte Grasso für 1.000 Dollar Aktien einer Luftlinie. Nach dem Wehrdienst begann er ein Studium des Rechnungswesens, das er aber nicht abschloss. Stattdessen stieg er in die NYSE ein und schaffte es als erster "einfacher Angestellter an deren Spitze. (APA/Red.)

18.9.2003 08:06