Mittwoch, 17. September 2003

Voest-Börsengang - Stahl-Aktie ab 9:00 Uhr im Handel!

  • Preis -

ÖIAG segnet Verkaufspreis Donnerstagabend ab (21 Uhr)

- Bekanntgabe von Details zu SPO und Wandelanleihe erst am Freitag kurz vor Börsenbeginn

Bis Donnerstag läuft die Zeichnungsfrist für die bis zu 9,761.400 Voest-Aktien aus dem Bestand der staatlichen Beteiligungsholding ÖIAG. Spannend wird es, wenn der ÖIAG-Aufsichtsrat Donnerstag spätabends gegen 21 Uhr zusammentritt, um den zuvor von den Investmentbankern im Rahmen eines Bookbuilding ermittelten Verkaufspreis abzusegnen. Am Freitag werden die Aktien aus dem zweiten Börsengang des Linzer Stahlkonzerns (nach 1995) dann zum ersten Mal gehandelt.

Die Bekanntgabe aller noch ausstehenden Details zur Börsenplatzierung und zur Wandelanleihe erfolgt - entgegen bisherigen Ankündigungen - nicht bereits am Donnerstag, sondern laut ÖIAG-Pressesprecherin Viktoria Kickinger erst am Freitag kurz vor Börsenbeginn (9.00 Uhr).

Bis zu 24,65 Prozent des voestalpine-Grundkapitals - das endgültige Volumen hängt von der Nachfrage ab - werden von der ÖIAG über die Börse verkauft. In Finanzkreisen wird mit einer deutlichen Überzeichnung des Angebotes gerechnet. Über Zuteilungsmodalitäten wird die ÖIAG ebenfalls erst am Freitag offiziell informieren.

Auf die restlichen in Staatshand befindlichen 10 Prozent (Mindestgröße) begibt die ÖIAG wie zuletzt bei Telekom Austria (TA) eine Umtauschanleihe, deren Konditionen (Laufzeit, Zinskupon, Ausübungspreis und Wandelrechte) bereits heute, Mittwoch, fixiert. Für die Laufzeit des ÖIAG-Bonds bleibt der Staat Miteigentümer der Voest. Die geplante Vollprivatisierung erfolgt somit noch nicht vor den OÖ-Landtagswahlen am 28. September, sondern erst zu einem Jahre späteren Zeitpunkt.

Welchen Erlös die ÖIAG über die Börsen-Zweitplatzierung (SPO) und die Wandelanleihe lukrieren wird, lässt sich vorerst nur grob abschätzen. Die US-Investmentbank JP Morgan, gemeinsam mit der Erste Bank federführend bei der vergangenen Donnerstag gestarteten Transaktion, hatte kürzlich von 485 Mio. Euro gesprochen, die die Staatsholding insgesamt kassieren wolle.

Das Paket, das über das SPO platziert werden soll, wäre - gemessen am aktuellen Aktienkurs von 32,70 Euro jedenfalls rund 316 Mio. Euro schwer. Verkauft wird allerdings nicht zu Marktpreisen. Denn bei einem SPO ist es international üblich, den Verkaufspreis je Aktie für die Kleinanleger und Großinvestoren um bis zu 5 Prozent unter dem letzten Börsenkurs vor der SPO-Erstnotiz anzusetzen. Sonst könnte man ja gleich an der Börse kaufen.

Zudem sind für die Voest-Mitarbeiter 1,5 Mio. Aktien bereits zu einem fixen Stückpreis von 28,28 Euro (Durchschnittskurs der vergangenen 5 Monate samt 10-Prozent-Rabatt) reserviert, was den Gesamterlös aus dem zweiten Börsengang - neben den für ein SPO üblichen Preisabschlägen - zusätzlich schmälert. Die Arbeitnehmerstiftung der voestalpine macht für das ihr zugeteilte 3,7-prozentige Aktienpaket rund 42 Mio. Euro flüssig. In Zukunft halten die Voestler 10,3 Prozent an "ihrem" Unternehmen.

Den Kleinanlegern sollen bei entsprechender Nachfrage bis zu 4 Prozent (knapp 1,6 Mio. Aktien) zugewiesen werden. Auf diesen Wert hofft die ÖIAG zu kommen. Bei einer garantierten Zuteilung von bis zu 250 Aktien je Kleininvestor müssten in diesem Fall - rein rechnerisch - mindestens 6.300 Orders bei den Banken einlangen. Die ÖIAG selbst hatte in einer seit gut einer Woche in zahlreichen heimischen Gazetten laufenden Kampagne kräftig die Werbetrommeln gerührt, unter anderem mit dem patriotischen Slogan: "Voesterreicher aller Bundesländer beteiligt Euch."

Für Großinvestoren hat die ÖIAG zumindest rund 17 Prozent zur Verfügung gestellt. Ob sich internationale Institutionelle stark engagieren, bleibt nach dem monatelang geführten hitzigen Politstreit um Für und Wider einer Vollprivatisierung und den jüngsten Verländerungsplänen in Oberösterreich (OÖ) abzuwarten.

Großes Interesse haben freilich neben der dem Land OÖ nahe stehenden Technologie- und Marketinggesellschaft (TMG) vor allem österreichische Finanzinvestoren angekündigt wie die Raiffeisenlandesbank OÖ (u.a. mit Hypo OÖ und OÖ. Versicherung), die Oberbank, die Bawag oder die Wiener Städtische, die schon bisher beteiligt sind.

Nach Einschätzung von Analysten dürften am Ende des Tages 40 bis 50 Prozent der Voest in Händen österreichischer Kernaktionäre sein und damit auch die von der Bundesregierung im ÖIAG-Privatisierungsauftrag verlangte österreichische Kernaktionärsstruktur verwirklicht sein.
(apa, red)

17.9.2003 15:44