Mittwoch, 17. September 2003

Schlechte Nachrichten: Milch wird ab Jänner 2004 teurer

  • Grund: Angeblich die Lkw-Maut
  • AK sauer: Lkw-Maut wird fälschlich als Argument missbraucht

Milch und Milchprodukte werden ab Jänner 2004 um drei bis vier Prozent teurer. Der Grund dafür liegt, so die Molkereien, in der mit Jahresbeginn eingehobenen Lkw-Maut ("Road Pricing"), die sich auf die heimischen Molkereien mit Zusatzkosten von 1,5 bis 4,0 Prozent niederschlage. Für die Arbeiterkammer ist diese Argumentation ungeheuerlich: Die Maut werde nur als Grund missbraucht.

Eine Preissteigerung für Konsumenten sei wegen der Maut "notwendig und unumgänglich", sagte NÖM-Vorstand Alfred Berger. Im allgemeinen sehen sich die Molkereien im Milchjahr 2003 einem rauhen Wind ausgesetzt. Nicht nur die Konzentration im Lebensmittelhandel, sondern auch die Kaufzurückhaltung der Konsumenten auf Grund der schwachen Konjunkturlage haben sich in der Geschäftsentwicklung der Molkereien niedergeschlagen.

So weisen alle Produktgruppen im Segment Weiße Palette, zu der etwa Milch, Rahm, Buttermilch oder Butter gehören, ein mengenmäßiges Minus aus. Bei der Bunten Palette setzte sich dageben die dynamische Entwicklung bei den Milchmischgetränken mit einem Plus von 13 Prozent fort.

Auch Käse (Gelbe Palette) liegt laut Stephan Mikinovic, Geschäftsführer der Agrarmarkt Austria (AMA) Marketing, weiter im Trend, wobei Frisch- und Schnittkäse die Gewinner in diesem Segment sind.

AK sauer
"Die LKW Maut kann kein Grund sein für die Preiserhöhungen bei Milch und Milchprodukten", sagt Sylvia Sarreschtehdari-Leodolter, Leiterin der Abteilung Umwelt und Verkehr in der AK Wien. Die Transportkosten haben im Einzelhandel nur einen Anteil von 0,7 Prozent und in der Wirtschaftsklasse Nahrungsmittel einen Anteil von 2,2 Prozent. "Daraus ergeben sich maximale Verteuerungsraten bei den Endverbrauchern von 0,04 bzw. 0,14 Prozent, die durch die Einführung der Lkw-Maut bedingt sind", so Sarreschtehdari-Leodolter. Die Lkw-Maut dürfe daher nicht als Argument für ungerechtfertigte Preissteigerungen missbraucht werden.

Molkereien: Patriotische Milchkäufer
Herr und Frau Österreicher halten heimischen Milchprodukten jedenfalls bis jetzt nach wie vor die Treue und den Importdruck der 14 anderen EU-Staaten erfolgreich abwehren, freut sich die AMA. In allen Produktgruppen außer den Frische-Desserts überwiege der Inlandsanteil. Wie lange das nach der Teuerung so bleibt, wäre abzuwarten.
(apa, red)

17.9.2003 14:08