Mittwoch, 17. September 2003

Privatisierungs-Poker: voest-Aktie kostet 32,50 Euro!

  • 240 Mio. Euro aus Wandelanleihe gehen an Kapitalmarkt
  • SP OÖ droht mit Klage, sollte Landesfirma TMG leer ausgehen

Im Privatisierungspoker um die voestalpine hat die ÖIAG am späten Donnerstagabend mit der Preisfestlegung für den zweiten Börsengang des Linzer Stahlkonzerns den Finalakt gesetzt. Die Aktien, die am Freitag erstmals gehandelt werden können, werden zu 32,50 Euro verkauft. Der Preis entspricht exakt dem Börsen-Schlusskurs am Donnerstag.

Einiges deutet darauf hin, das die Papiere nicht zum großen Renner werden. Die ÖIAG schöpft beim Börsenverkauf von voestalpine-Aktien nicht den vollen Rahmen aus. Statt der ursprünglich angegeben 24,65 Prozent (Maximalwert) wird die ÖIAG nun nur einen Anteil von 19,65 Prozent bei der Zweitplatzierung am Freitag an die Börse bringt. Die SPÖ OÖ droht unterdessen mit Klage, sollte die Landesfirma TMG leer ausgehen.

Rein rechnerisch gibt die ÖIAG bei der Börsentransaktion jetzt rund 7,78 Millionen Aktien des Linzer Stahlkonzerns ab, ursprünglich hätten es bis zu 9,761.400 sein sollen. In Finanzkreisen hieß es, der vergangenen Donnerstag gestartete Verkauf sei zäh gelaufen.

ÖIAG wird Viertelmilliarde aus Voest-Wandelanleihe veranlagen
Die rund 240 Mio. Euro, die der staatlichen Beteiligungsholding ÖIAG aus der dreijährigen Umtauschanleihe auf Aktien des Linzer Stahlkonzerns voestalpine zufließen werden, sollen am Kapitalmarkt veranlagt werden. "Das Kapital wird wie im Fall der Telekom Austria kreativ veranlagt", sagte ÖIAG-Sprecherin Viktoria Kickinger Donnerstagabend.

Die ÖIAG hatte im vergangenen Juli eine 325 Mio. Euro schwere Anleihe, wandelbar in 5 Prozent des Grundkapitals der Telekom Austria, begeben. Die Staatsholding hatte gleichzeitig angekündigt, mit der Veranlagung in den drei Jahren Laufzeit bis zu 18 Mio. Euro Ertrag - jährliche Zinszahlungen für den 1,125 Prozent-Kupon bereits abgezogen - erzielen zu wollen.

Keine Dividende für den Finanzminister
Entschieden zurück gewiesen wurde, das über den Bond aufgenommene Kapital sei für die von Finanzminister Karl-Heinz Grasser für 2002 und 2003 verlangte Dividende von insgesamt 300 Mio. Euro bestimmt.

Die jetzt geplante Voest-Wandelanleihe der ÖIAG, die nur an Banken und Versicherungen verkauft werden soll, soll mit rund 5,94 Millionen Aktien (15 Prozent des Voest-Grundkapitals) - unterlegt werden. Der Kupon, der voraussichtlich noch heute festgelegt wird, soll sich laut ÖIAG zwischen 1,5 und 2,0 Prozent bewegen. Auf der Basis der bisher bekannt gegebenen Eckdaten zur Anleihe errechnet sich ein Umtauschkurs von 40,4 Euro auf eine Voest-Aktie (aktueller Kurs: 32,50 Euro). Die ebenfalls noch zu fixierende Umtauschprämie war mit 22 bis 27 Prozent angegeben worden. Geliefert werden soll die Umtauschanleihe am 2. Oktober.

Vorkaufsrecht des Landes OÖ
Die Verträge, die dem Land Oberösterreich ein Vorkaufsrecht für die derzeit im Besitz von Oberbank und Raiffeisenlandesbank (RLB) Oberösterreich befindlichen voestalpine-Aktien einräumen, sind seit Mittwoch unterschriftsreif. Mit dem Vorkaufsrecht für einen insgesamt mehr als 16 Prozent-Anteil an der Voest soll zusammen mit der auf über 10 Prozent aufgestockten Mitarbeiterbeteiligung die Sperrminorität für Oberösterreich gesichert werden.

Das Vorkaufsrecht bezieht sich auf jene Aktien, die die beiden Banken bereits jetzt und somit vor dem nächsten Privatisierungsschritt besitzen. Die Oberbank hat im Jahr 2000 erstmals Voest-Aktien gekauft und besitzt nunmehr nach eigenen Angaben 6,5 Prozent, die RLB über 10 Prozent. (apa, red)

17.9.2003 12:02