Dienstag, 16. September 2003

Wirbel um Werbung: Eltern, diese "miserablen Sponsoren"

  • Bank-Reklame stellt Eltern mit Alzeimer-Anzeichen dar
  • Familien- und Verbraucherverbände Belgiens laufen Sturm

Die Aussage ist klar und deutlich: "Bist Du immer pleite, weil Deine Eltern so miserable Sponsoren sind?" Da wäre es doch besser, einen schriftlichen Vertrag über das Taschengeld aufzusetzen - "man weiß ja nie, ob Alzheimer nicht schon wirkt"! Mit solchen Werbesprüchen an die Adresse ihrer jungen Kundschaft hat die belgische Dexia-Bank für helle Aufregung gesorgt. Familien- und Verbraucherverbände laufen Sturm.

"Offenbar sind alle Mittel recht, um Jüngere von der Eröffnung eines Kontos zu überzeugen", schimpfte Antoinette Brouyaux von der Verbraucherschutzorganisation OIVO in der Zeitung "Het Laatste Nieuws". "Dexia schreckt nicht davor zurück, die Eltern anzuschwärzen und ihre Kinder unter Druck zu setzen." Die belgische Familienliga stört sich zudem an dem Taschengeldvergleich, den die Bank auf ihrer Webseite anbietet: "Das ist ausgesprochen grausam für ärmere Familien", zitierte die Zeitung "Le Soir" den Verband.

Die Bank bietet ihren jungen Kunden neben einem speziellen Konto gleich auch einen Vertrag an, um die Vereinbarungen mit den Eltern schriftlich festzuhalten: "Vergiss nicht, sie um eine kleine Unterschrift unter dem Papier zu bitten... dann hast Du schwarz auf weiß die Summe des Taschengelds, die Dir zusteht", lautet einer der Tipps. Doch nirgendwo auf diesen Seiten würden die finanziellen Zwänge der Eltern erwähnt, kritisierten die Verbände.

Bank zeigt sich von Kritik überrascht
Die gerügte Bank zeigte sich überrascht von der Kritik: "Es geht überhaupt nicht darum, Unterschiede zwischen den Familien aufzuzeigen oder ein Unbehagen zu schaffen." Jugendliche bräuchten auch nicht die Webseite, um ihr Taschengeld zu vergleichen. Und die Bezeichnung der Eltern als "miserable Sponsoren" mit Alzheimer-Anzeichen sei einfach eine "junge und humorvolle Sprache, die auf den Stil unserer jungen Kunden eingeht", hieß es in einer Pressemitteilung.

Die Verbände wollen sich damit nicht zufrieden geben und riefen Verbraucherschutzministerin Freya Van den Bossche an. Die Ministerin findet es "nicht hinnehmbar", wie die Eltern in Misskredit gebracht würden. "Juristisch kann ich nichts unternehmen", bedauerte sie im belgischen Rundfunk RTBF. Doch die Kunden der Bank wüssten sicher, wie sie auf derlei ungeliebte Werbebotschaften am wirkungsvollsten reagieren könnten, meinte sie. (apa/red)

16.9.2003 11:21