Dienstag, 16. September 2003

Poker um Augarten: Sanierer kauft um 3,8 Millionen €!

  • Die Verhandlung dauerte 18 Stunden!
  • Grossnigg: Standort wird erhalten bleiben

Das Rennen um die insolvente Wiener Porzellanmanufaktur Augarten ist gelaufen. Nach 18-stündigem Bietergefecht zwischen dem Industriellen Hannes Androsch und dem Unternehmensberater Erhard Grossnigg ist die Entscheidung am Donnerstag früh gefallen. Die Firma des Sanierers Grossnigg, die VMS Value Service GmbH, hat zum Gesamtpreis von 3,8 Millionen Euro den Zuschlag erhalten, teilte Masseverwalter Johannes Jaksch mit.

Im Rahmen der davor im Schloß Augarten stattgefundenen Gläubigerausschusssitzung wurden demnach die wesentlichen Vermögenswerte des Unternehmens Augarten, wie die Marke "Augarten", die Betriebs- und Geschäftsausstattung, das Warenlager sowie ein Eigentumslokal an Grossniggs Firma um den Gesamtpreis von netto 3,8 Millionen Euro verkauft. Das Kaufanbot war verbunden mit einem Zwangsausgleichsvorschlag mit einer Quote von rund 50 Prozent.

Augarten wird per 30. September geschlossen und alle Mitarbeiter gekündigt. Der entsprechende Schließungsbeschluss wird heute Vormittag bei der Prüfungstagsatzung fallen.

Am 1. Oktober wird Grossnigg dann mit Augarten als neue Rechtsperson und der alten Belegschaft neustarten. Vom Konkurs über Porzellanmanufaktur Augarten sind insgesamt 360 Gläubiger, davon 250 Dienstnehmer betroffen. Die Passiva belaufen sich auf 12 Mio. Euro, davon wurden 3,7 Mio. Euro vom Masseverwalter anerkannt.

Im Vorfeld waren beim Masseverwalter 57 Anfragen für eine Augarten-Übernahme eingegangen - darunter unter anderem der Florentiner Porzellanerzeuger Ginori, der deutsche Konkurrent Rosenthal, eine Gruppe um die Tiroler Glasfamilie Swarovski. Der Großteil der Interessenten hat sich aber nach Einsicht in die Bücher zurückgezogen.

Sanierer Grossnigg
Der Erfolg war jetzt dem Unternehmens-Berater Erhard Grossnigg beschieden, der unter anderem bei der Skifirma Kneissel, bei der Schuhhandelskette Stiefelkönig und bei der Kfz-Zubehör-Kette Forstinger als Sanierer tätig war.

Die 1718 gegründete Porzellanmanufaktur Augarten ist nach Meissen die zweitälteste Manufaktur Europas. Am 16. Juli 2003 musste das Traditionsunternehmen den Konkurs anmelden, da der Haupteigentümer, die der Bank Austria Creditanstalt nahe stehende B&C Holding, die Zahlungen eingestellt hat. Zuvor sind Verkaufsverhandlungen mit den Brüdern Soravia gescheitert, da mit der BA-CA keine Einigung über Kreditverbindlichkeiten von 5,7 Mio. Euro erzielt werden konnte.
(apa/red)

16.9.2003 09:03