Montag, 15. September 2003

Was Billigflieger so billig macht: Knallharte Kostenkontrolle

  • Taxi zum Flughafen doppelt so teuer wie mancher Flug
  • Kosten halb so hoch wie "klassische Airlines"

Hapag-Lloyd Express fliegt für 19,99 Euro, Konkurrent Germanwings ist auch nicht teurer, und die irische Ryanair gibt einen Teil der Flüge gleich umsonst in den Markt - zahlen muss der Kunde nur Steuern und Gebühren. Das Fliegen ohne Schnickschnack ("No Frills") ist inzwischen auch in Österreich und Deutschland modern, die Zuwachsraten bei Passagierzahlen sind immens. Aber jeder fragt sich: Wie kann es sein, dass das Taxi von der Innenstadt zum Flugplatz doppelt so teuer ist wie der Flug?

Eine Antwort gibt ein Blick in die Preiskalkulation der Billig-Fluggesellschaften. Denn eines haben alle Billigflieger gemeinsam: So preiswert, wie es in der Werbung heißt, sind nur sehr wenige Plätze - sehr zum Ärger der Verbraucherschützer. Manchmal sind es acht Sitze pro Maschine, manchmal zwölf. Und diese bekommen nur die Passagiere, die sich früh um die Tickets bemühen; oft Monate vor dem Abflug. Wer später kommt, zahlt mehr. Der Preis richtet sich dabei konsequent nach der Auslastung. Im Durchschnitt kostet das Ticket bei den Low-Cost-Carriern zwischen 65 und 85 Euro.

Knallharte Kostenkontrolle
Nicht nur die steil steigende Preiskurve ist eines der Zauberworte bei den Billigfliegern, noch wichtiger ist die knallharte Kostenkontrolle. Die Manager der Billig-Airlines haben jede einzelne Position eines Fluges durchleuchtet und aufs Notwendige reduziert. So belaufen sich die Kosten meist etwa auf die Hälfte einer konventionellen Fluglinie. Die Einheit, in der die Kostenkontrolleure in der Luftfahrt rechnen, sind die "Kosten je angebotenem Sitzplatzkilometer" (ASK). Die klassischen Fluglinien kommen auf 12 Euro-Cent je ASK, die Billigflieger schaffen es mit 6 Euro-Cent, haben Branchenexperten errechnet.

Nur 30 Minuten am Boden
2,7 Cent pro ASK sparen die Low-Cost-Airlines durch eine deutlich engere Bestuhlung in den Fliegern und vor allem kürzere Umlaufzeiten an den Flughäfen. In der Regel bleiben die Maschinen nur 30 Minuten am Boden. Da die Flugzeuge meist nicht direkt am Terminal, sondern auf dem Rollfeld halten, können die Passagiere schneller aus- und einsteigen. Weil es keine festen Sitzplätze gibt, geht auch das Einsteigen schneller. Der Fluggast sucht nicht lange nach Platz 17D und blockiert dabei den Gang, sondern setzt sich schneller hin.

Entfernte Airports
1,2 Cent sparen die Billigflieger bei der Auswahl der Flughäfen. Airports mit teuren Lande- und Strukturgebühren werden gemieden. Billigflieger starten und landen meist auf weiter vom Stadtzentrum entfernten "Sekundär-Flughäfen", die deutlich günstiger sind. Statt Frankfurt/Main wird das beispielsweise das mehr als 100 Kilometer entfernte Hahn angesteuert.

Weniger Toilettengänge
An Bord gibt es Essen und Getränke für die Passagiere nur gegen Aufpreis - mit doppeltem Kosteneffekt. Zum einen bringt der Verkauf von Snacks noch einige Cent Gewinn, andererseits nutzen die Passagiere auf den Flügen nicht so oft die Toilette. Bei den Mittelstreckenflügen wird dann nur bei jeder zweiten Landung Frisch- und Brauchwasser getauscht. Es gibt am Boden keine teuren Lounges und die Bordkarten sind wieder verwendbar - dieser gesamte Block bringt 0,8 Cent Ersparnis. Im Vertrieb werden insgesamt 0,6 Cent herausgeholt, denn wer billig fliegen will, bucht über das Internet. Geht er ins Reisebüro oder nutzt er das Call-Center, kostet es extra.

Die Werbung der Billigflieger hat inzwischen auch die Verbraucherschützer auf den Plan gerufen. Unter anderem findet vor dem Landgericht Hannover ein Prozess gegen die TUI-Tochter Hapag Lloyd Express (hlx) statt. Die Verbraucherschützer fordern, dass hlx künftig bei den niedrigsten Preisen von 19,99 Euro auf das begrenzte Kontingent von nur 9 Plätzen hinweisen muss. Ein Urteil wird in etwa drei Wochen erwartet. (APA/red)

15.9.2003 14:09