Montag, 15. September 2003

Trotz Boom: Heimische Kaffeeröster leiden unter Preisverfall

  • Preisniveau gleicht bereits dem des Jahres 1965
  • Billig-Kaffee aus Asien überschwemmt den Markt

Trotz eines stabilen Kaffeeverbrauchs in Österreich von rund 44,8 Millionen Tonnen musste die heimische Kaffee-Branche im Jahr 2002 wegen anhaltend rückläufiger Preise für Röstkaffee einen Umsatzrückgang von 5 Prozent auf 220 Mio. Euro hinnehmen. Im ersten Halbjahr 2003 fiel der durchschnittliche Kilopreis um 38 Cent auf den neuen Tiefstand von 5,55 Euro je Kilogramm. "Kaffee wird derzeit zu den selben Preisen wie im Jahr 1965 verkauft", sagte Gerd Schütz, Präsident des Österreichischen Kaffee- und Teeverbandes, bei einer Pressekonferenz anlässlich des am 1. Oktober stattfindenden "Tag des Kaffees".

"Für 2003/2004 könnte die Nachfrage erstmals seit Jahren wieder größer als das Angebot sein", hofft Schütz, wollte jedoch keine konkreten Prognosen über die künftige Preisentwicklung machen. Besonders Billigkaffee aus Asien drücke derzeit das weltweite Preisniveau von Rohkaffee. In Österreich stieg beispielsweise der Marktanteil von Billig-Kaffee aus Vietnam seit dem Jahr 2000 von 8 auf beinahe 14 Prozent. Vietnam ist für Österreich damit bereits das zweitwichtigste Kaffee-Importland nach Brasilien (39 Prozent). Rohkaffee kostet derzeit auf dem Weltmarkt im Schnitt 73 Cent je Pfund.

Österreich ist Kaffeeland
Der Pro-Kopf-Verbrauch bei Kaffee lag 2002 bei 8,5 Kilogramm - Tendenz leicht steigend: 1952 lag dieser Wert noch bei 650 Gramm. Damit ist Österreich ein "ausgesprochenes Kaffeeland" und liegt im europäischen Vergleich an der zweiten Stelle hinter Finnland mit 9,5 Kilogramm Jahresverbrauch, noch vor Deutschland und Frankreich mit 6,6 bzw. 5,6 Kilogramm Pro-Kopf-Konsum.

Den meisten Kaffee trinken die Österreicher in den eigenen vier Wänden - nämlich rund 70 Prozent des jährlichen Gesamtkonsums von 350 Mio. Litern. Ein Fünftel der Menge wird bei der Arbeit und 10 Prozent in gastronomischen Betrieben konsumiert. Übrigens: Die fleißigsten Kaffeetrinker sind jene der Altersgruppe zwischen 30 und 50 Jahren.

Fertigkafee im Kommen
Zulegen konnten hierzulande vor allem die so genannten "Ready-to-drink"-Produkte (Fertigkaffee). "Ganz besonders Eiskaffee boomte im heißen Sommer", meinte der Verbandspräsident. Aber auch beim Export von Röstkaffee gab es eine positive Entwicklung: So erhöhten sich die Ausfuhren um 25 Prozent und steuerten damit 2002 bereits 20 Prozent des Gesamtumsatzes bei.

Trend tendiert zu Coffee-Shops
Wie in anderen Ländern gehe auch in Österreich der Trend in Richtung "Coffee shops": Kaffee als Life-Style-Produkt. "Durch das neue Konzept werden auch junge Menschen wieder vermehrt an das Produkt Kaffee herangeführt", so Harald Mayer, Vizepräsident des Verbandes. "Hochwertige Produkte in 'gebrandeten' Papp-Bechern" und "Coffee to go" seien äußerst vielversprechende Trends, doch würden diese die Wiener Kaffeehauskultur "keinesfalls verdrängen", jedoch künftig sicherlich "mehr an Bedeutung gewinnen", hieß es weiter. (APA/red)

15.9.2003 13:56