Montag, 15. September 2003

Defizit der Eurozone machte 2002 2,2 Prozent aus

  • Gesamte EU mit Defizit von 1,9 Prozent
  • Verschuldung blieb in Österreich unverändert

Die Eurozone hat im Vorjahr 2002 eine Wirtschaftsleistung zu Marktpreisen von 7.069.785.000.000 Euro (7 Billionen Euro) erwirtschaftet. Im gleichen Jahr verschuldeten sich die zwölf Euroländer mit 156.417.000.000 Euro (156,4 Mrd. Euro), das bedeutet eine Defizit von 2,2 Prozent, teilte das EU-Amt für Statistik mit. Der Schuldenberg der Euroländer belief sich auf 4,88 Billionen Euro (69 Prozent des BIP). Während die Staaten 46,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) einnahmen, gaben sie 48,3 Prozent davon aus.

Im gleichen Jahr kam die gesamte EU mit allen 15 Mitgliedsländern auf eine Wirtschaftsleistung von 9,17 Billionen Euro. Bei einer Neuverschuldung von 173,8 Mrd. Euro betrug das gemeinschaftliche Defizit 1,9 Prozent. Die staatlichen Schulden der 15 machten 5,7 Billionen Euro aus, (62,3 Prozent des BIP), sie nahmen zusammen 45,4 Prozent der Wirtschaftsleistung ein und gaben 47,4 Prozent davon aus.

Deutschland führt bei Defiziten
Die größten Defizite wurden im Jahr 2002 in Deutschland (-3,5 Prozent des BIP), Frankreich (-3,1 Prozent), Portugal (-2,7 Prozent) und Italien (-2,3 Prozent) verzeichnet, während die höchsten Überschüsse in Finnland (+4,2 Prozent), Luxemburg (+2,5 Prozent), Dänemark (+2,1 Prozent) und Schweden (+1,3 Prozent) zu verzeichnen waren. Kleine Überschüsse wurden auch von Belgien und Spanien gemeldet.

Österreich mit Revision nach unten
Gegenüber den in der ersten Meldung vom März 2003 veröffentlichten Daten hat sich für das Defizit der Niederlande von 2002 eine deutliche Revision nach oben ergeben (von -1,1 Prozent auf -1,6 Prozent des BIP), was auf revidierte Daten der Kommunen zurückzuführen ist. Zu Revisionen nach unten kam es für das Defizit von Österreich (von -0,6 Prozent auf -0,2 Prozent), da die Steuereinnahmen höher ausfielen als im März geschätzt, und beim Überschuss von Finnland (von +4,7 Prozent auf +4,2 Prozent) aufgrund einer Revision für den Staat und die Sozialversicherungen hinsichtlich der Einkünfte aus Vermögen.

Verschuldung blieb in Österreich unverändert
Die Verschuldung im Verhältnis zum BIP ist im Jahr 2002 in neun Mitgliedstaaten gesunken, erhöhte sich jedoch in Dänemark, Deutschland, Frankreich, Luxemburg und Portugal und blieb in Österreich unverändert. Allerdings wurde die Verschuldung Österreichs für 2002 und alle Vorjahre deutlich nach oben revidiert, was hauptsächlich auf die Einbeziehung von Schuldverschreibungen zurückzuführen war, die vom Staat im Namen von öffentlichen Unternehmen ausgegeben wurden (Rechtsträgerfinanzierung).

Außer Belgien, Griechenland und Italien, die weiterhin eine Verschuldung von über 100 Prozent des BIP aufwiesen, hatten zwei weitere Mitgliedstaaten eine Verschuldung von mehr als 60 Prozent des BIP im Jahr 2002 zu verzeichnen: Österreich (67,3 Prozent) und Deutschland (60,8 Prozent).

Tschechien nicht vor 2008 in Eurozone
Tschechien wird der Euro-Zone nach Einschätzung der Nationalbank in Prag (CNB) aufgrund mangelnder Haushaltskonsolidierung nicht vor dem Jahr 2008 beitreten können. Bisher wurde in tschechischen Wirtschaftskreisen stets das Jahr 2007 als frühestmöglicher Zeitpunkt genannt.

Dies sei wegen der in den kommenden Jahren zu erwartenden Staatsschulden aber ausgeschlossen, zitierte die tschechische Nachrichtenagentur CTK aus einer Analyse der CNB. Die Regierung in Prag plant derzeit eine umfangreiche Konsolidierung der öffentlichen Finanzen. Ziel ist die Einführung des Euro in Tschechien spätestens im Jahr 2010. (APA/red)

15.9.2003 12:21