Montag, 15. September 2003

Früherer Tiroler Hypo-Vorstand will mit Privatbank durchstarten

  • 100 Investoren und zwei strategische Bankpartner sollen 50 Mio Euro einbringen

Der ehemalige Vorstandsvorsitzender der Hypo Tirol Bank, der gebürtige Südtiroler Josef Prader, will in seiner Heimat mit einer Privatbank neu durchstarten. Für das "Projekt 03" will Prader zwei strategische Bankpartner sowie 100 Unternehmer als Investoren gewinnen. Er rechnet mit einer Investorensumme von 50 Mio. Euro. Prader hatte sich in seiner Amtszeit vergeblich für die grenzüberschreitende, heftig umstrittene Holding der Hypo Tirol mit der Südtiroler Sparkasse eingesetzt.

Das neue Projekt befinde sich derzeit in der "ersten Phase", hielt Prader am Rande einer Pressekonferenz in Bozen fest. Die Eckpfeiler würden nun an die Aufsichtsbehörde (die Region Südtirol-Trentino und die italienische Zentralbank) weitergeleitet werden. Die Nationalbank müsse dann über die Erteilung einer Banklizenz entscheiden. Damit sei frühestens im ersten Halbjahr des kommenden Jahres zu rechnen, meinte Prader.

Als Investoren konnten namhafte Tiroler Unternehmer ins Boot geholt werden, zeigte sich Prader stolz. Dazu zählen unter anderem der Unternehmer Gernot Langes-Swarovski, der Telfer Industrielle und Ex-Präsident der Hypo, Arthur Thöni sowie der Bauunternehmer Eduard Fröschl. Über die Namen der Südtiroler Investoren wollte Prader zunächst keine Angaben machen: "Wir stehen hier noch mitten in den Verhandlungen."

"Nischenbank"
Das Geldinstitut mit Geschäftssitz in Bozen soll als "Nischenbank" fungieren, die sich vor allem an Zielgruppen wie Unternehmer und Freiberufler wenden werde. Prader sprach von einer "Ergänzung zu den Massengeschäftsbanken". Filialen seien vorerst einmal in Trient und Bruneck geplant. Anschließend könnten aber auch welche in Nordtirol (Innsbruck) sowie in Italien (etwa in Verona, Bergamo und Padua) entstehen.

Als Ziel für das erste Geschäftsjahr erwartet Prader an Einlagen, Wertpapieren, Finanzierung und Leasing eine Summe von 135 Mio. Euro. In der Hauptgeschäftsstelle Bozen sollen zu Beginn 20 Mitarbeiter beschäftigt sein.

Neubesetzung sorgte für Wirbel
Prader war bis Mitte des Jahres bei der Tiroler Hypo Bank tätig. Als die Stellen der Vorstandsposten neu ausgeschrieben worden waren, gab es heftige Diskussionen. Das Anforderungsprofil sei auf Prader "maßgeschneidert", hatte es damals geheißen. Der damalige Vorstandsvorsitzende sowie seine beiden Mitstreiter zogen schließlich überraschend ihre Kandidatur zurück. Bereits in den Jahren zuvor war die Hypo wegen der geplanten und mittlerweile gescheiterten Bankenholding mit der Südtiroler Sparkasse immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Seit 1. Juli leitet ein komplett neuer Dreier-Vorstand die Geschicke der Bank. (APA/red)

15.9.2003 12:16