Mittwoch, 17. September 2003

Rekordaufgriff: 70 Kilo Ecstasy in Wiener Hotel sichergestellt

  • Zwei Niederländer und zwei Polen in Haft
  • Drogen in Trolleys und in Autoreifen versteckt

In einem Hotel in der Wiener Innenstadt hat die Polizei die größte bisher auf einen Schlag in Österreich gefundene Menge an Ecstasy sichergestellt: Nach monatelangen Ermittlungen nahmen Kriminalbeamte bereits am 11. September vier Verdächtige fest und beschlagnahmten 232.500 Tabletten.

"Der Verkaufswert der Drogen beträgt 2,3 bis 3,5 Millionen Euro", sagte Mag. Herbert Stübler, Leiter des Referats IV der Kriminaldirektion 1. Bei Produktionskosten von 25 bis 50 Cent pro Stück bedeute das "einen gigantischen Profit".

Bei den Festgenommenen handelt es sich um zwei Polen, 30 und 48 Jahre alt, und zwei Niederländer, beide 21. Die Polizisten nahmen die Männer gegen 13.50 Uhr in der Lobby des Mittelklassehotels fest. Der Einsatz sei "dank des Überraschungseffekts" so reibungslos verlaufen, dass er kaum Aufsehen erregt hat, berichtete Stübler.

Drogen in Trolleys und in Autoreifen versteckt
Das Ecstasy hatten die Verdächtigen mit einem Pkw von Holland nach Wien gebracht. Der Großteil der Drogen, 182.500 Tabletten, waren auf zwei Trolleys verteilt, die randvollen Gepäckstücke brachten jeweils mehr als 30 Kilogramm auf die Waage. Der Rest, etwa 50.000 Stück, steckte im Reservereifen des in der Hotelgarage geparkten Schmuggelfahrzeugs mit niederländischem Kennzeichen. Die Tabletten waren in Alufolie verpackt und mit Klebeband umwickelt. Insgesamt wogen die Drogen rund 70 Kilogramm. Die Tabletten ziert eine eingestanzte Krone. Das Zeichen ist von anderen Aufgriffen her international bekannt.

Wien als Drehscheibe?
Ob Wien Drehscheibe hätten sein sollen, oder ob zumindest ein Teil des Suchtgifts für Österreich bestimmt war, könne noch nicht gesagt werden, so Stübler. Die Verdächtigen hätten sich erst ganz kurz in der Bundeshauptstadt aufgehalten. Die Ermittlungen zu Hintermännern laufen: "Da hängt noch sehr viel dran." Die Wiener Polizei arbeitet in dieser Sache mit ausländischen Dienststellen zusammen. Immerhin handelt es sich laut Stübler auch "um eine der größten Beschlagnahmen von Ecstasy europaweit". Generell seien Ermittlungen in der Ecstasy-Szene schwierig, weil es sich bei den Konsumenten vorwiegend um Jugendliche handle. "Daher ist unsere Stoßrichtung - und auch international - die Suche nach Zugang zu Tätern, die wie in diesem Fall Großmengen an Großabnehmer liefern."

Die Profite seien so riesig, weil die Amphetaminderivate billig und "konsumentennah", in der Nähe der Absatzmärkte, herstellt würden, sagte Stübler. Ecstasy-Labors, die für den europäischen Markt produzieren, gebe es in Osteuropa, vor allem in Polen und Tschechien, sowie in den Niederlanden, aber auch in anderen Staaten wie Belgien oder Spanien. "In Spanien ist zum Beispiel 1996 ein Labor ausgehoben worden, in dem stündlich 2.000 Stück Ecstasy hergestellt worden waren", so der Kriminalist. (apa/red)

17.9.2003 12:12