Helmut Zilk: Ex-Bürgermeister setzt sich nicht zur Ruhe
- Neuer Chef der Bundesheer-Reformkommission
Zehn Jahre lang (von 1984 bis 1994) stand Helmut Zilk an der Spitze der Wiener Stadtregierung. Der ehemalige Wiener SP-Bürgermeister ist nach dem Ausscheiden aus seinem Amt nicht leise geworden: Als TV-Gastgeber für "Lebenskünstler" aller Art und Ombudsmann für die Sorgen des "kleinen Mannes" ist er in der Öffentlichkeit weiterhin präsent. In der Vergangenheit sprach er sich deutlich gegen den Kauf von Abfangjägern aus. Nun wurde Zilk zum Vorsitzenden der Bundesheer-Reformkommission ernannt.
Im Vorjahr lehnte er den Ankauf der Eurofighter "angesichts der Finanzlage" als "verantwortungslos und überflüssig" ab. Auch 1987 trat Zilk bereits gegen den Ankauf der Draken auf. Als Bürgermeister sprach er sich 1990 für eine breit angelegte Diskussion über das Bundeheer aus. Das Ergebnis wollte er damals einer Volksabstimmung unterziehen. Er präferierte die Schaffung eines Berufsheeres mit etwa 25.000 Mann.
Lebenslauf
1955 hatte Zilk den ersten Fuß in der Türe des Rundfunks. Erst freier Mitarbeiter für Jugendsendungen, baute er ab 1959 das Schulfernsehprogramm auf. Bald begann er als Ombudsmann: Zilks "Stadtgespräche", später auch "In eigener Sache", waren Straßenfeger, für sein "Auslandsecho" erhielt er 1966 als erster Österreicher die "Goldene Kamera".
Mit seinem Freund Gerd Bacher avancierte Helmut Zilk im ORF 1967 zum Programmdirektor, mit Bacher "flog" er 1974 auch hinaus. Seine Tätigkeit als Ombudsmann setzte er daraufhin bei der "Kronen Zeitung" fort. 1978 scheiterte er dann an Bacher als SP-Kandidat für die ORF-Spitze. Trotzdem war 1978 ein gutes Jahr für Zilk: bescherte es ihm doch seine dritte Ehefrau, den Operetten- und Musicalstar Dagmar Koller.
1979 folgte die "Übersiedlung" in die Politik: Leopold Gratz machte ihn zum Kulturstadtrat. Fred Sinowatz, "Erbe" des abgetretenen Bruno Kreisky, holte Zilk dann 1983 als seinen Nachfolger ins Unterrichtsministerium. Schon ein Jahr später kehrte Zilk ins Rathaus zurück, und zwar an die Spitze.
Bei seinen ersten Kommunalwahlen 1987 wurde sein Einsatz von den Bürgern noch mit einer hohen Mehrheit von fast 55 Prozent für die SPÖ belohnt. Weniger gut lief es 1991, als die SPÖ im "Roten Wien" an Stimmen erstmals unter die 50-Prozent-Marke rutschte.
Der Altbürgermeister lernte aber auch die extremen Schattenseiten der hohen Popularität kennen. Im Dezember 1993 war er ein Opfer der ersten Briefbombenserie. Die linke Hand trägt er seither - typisch Zilk - in zur Krawatte passende Seide gehüllt.
(apa/red)
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