Mittwoch, 10. September 2003

Der Umfaller-König

  • Warum jetzt FP & VP Haupt stürzen wollen. Wie er noch kämpft.

Das Koalitions-Krach-Protokoll: Wie knapp Haupt vor dem Rücktritt stand und Schwarz-Blau vor dem Aus.
FP-Witzekanzler: In Kärnten ein Haider-Fan, in Wien ein treuer Diener Schüssels – wofür steht der FP-Chef eigentlich noch?

Auf eines kann man sich bei Herbert Haupt verlassen: Der Mann belästigt seine Umwelt nie mit Unflexibilität. Im Gegenteil: Der Vizekanzler wechselt seine Meinung mindestens so oft, wie andere Menschen ihre Hemden.
So erstaunt es nicht weiter, dass der blaue Sozialminister das Regierungsklima erst vergangenen Freitag mit einer „Vier Minus“ benotet hatte, um Dienstag via NEWS das verheerende Zeugnis in eine „Eins“ umzuwandeln.

Haupts Rücktritt vom Rücktritt. Dabei stand der umstrittene FP-Chef vergangene Woche schon fast vor dem politischen Aus. Kanzler Wolfgang Schüssel wollte seinem Vize partout nicht entgegenkommen. Doch gerade in der Frage der Totalprivatisierung der Voest – ein schwarzes Herzstück – wollte Haupt wenigstens einmal Stärke zeigen. Von sich aus erklärte Haupt Jörg Haider denn auch vergangenen Dienstag, dass er „da wirklich hart bleiben“ werde. Und Haupt lehnte sich auch öffentlich – etwa am Dienstag im ORF-„Sommergespräch“– weit aus dem Fenster und verkündete, er werde die Privatisierung der Voest ohne österreichischen Kernaktionär stoppen, um dann – Überraschung, Überraschung! – doch wieder am Mittwoch mit Schüssel für die Vollprivatisierung zu stimmen.

Dass er da ernsthaft überlegt hatte, „alles hinzuschmeißen“, wie ein Vertrauter behauptet, wäre mehr als verständlich. Aber es wäre nicht Haupt, würde er nun nicht wieder versuchen, die blaue Niederlage durch ewig lange Schachtelsätze und gekonntes Nuscheln in einen Sieg umzudeuten. Denn der Mann, der seit „32 Jahren mit Haider befreundet“ und seit jeher in seinem Schatten gestanden ist, genießt viel zu sehr seinen vermeintlichen Platz an der Sonne. So wechselt er eben ständig seine Meinung, sagt Haider – ob bei Pensionsreform, Steuerreform, Voest oder FP-Obmanndebatte –; morgens in Klagenfurt sei er mit ihm „eh einer Meinung“, um dann abends nach einer 400 Kilometer langen Fahrt in Wien vor dem Kanzler eine 180-Grad-Kehrtwendung zu machen.

Der Witze-Kanzler. Und wie danken ihm seine Partei, der Koalitionspartner, die Opposition und die staunende Öffentlichkeit diese Flexibilität in Reinkultur? „Der ist doch nur noch ein Witze-Kanzler“, ätzen die einen, „Der fällt doch noch im Liegen um“, kommentieren die anderen. Der 56-jährige Tierarzt hat es wirklich nicht leicht.

Den ganzen Artikel lesen Sie im neuen NEWS
PLUS: Interview mit Herbert Haupt über sein „Schussel“-Image & seine Schmerzgrenzen
PLUS: Der „Witze“-Kanzler im Profi-Härtetest
PLUS: Protokoll eines Fast-Total-Crashs

10.9.2003 16:16