Mittwoch, 10. September 2003

Der Endkampf um die Voest

  • Fight um 500-Millionen-Euro-Aktien-Deal wird total brutal

Die Polit-Tricks. So wollen Top-Banker Scharinger & Landesfürst Pühringer die Voest übernehmen. Der Aktien-Poker. Wer die besten Chancen hat. Wer hinter dem geheimen Aktienkauf steckt.

Die Vollprivatisierung der voestalpine verkommt vom Wirtschaftskrimi zur Politposse. Zuerst sorgte die Ankündigung der wahlkämpfenden oberösterreichischen Politiker, das Land beim Börsegang zum Großaktionär des Stahlkonzerns zu machen, für blankes Entsetzen in hochrangigen Wirtschaftskreisen. Dann wurde bekannt, dass jüngst in einer Geheimtransaktion fünf Prozent der Voest-Aktien im Wert von über 70 Mio. Euro den Besitzer gewechselt haben. Ein strategischer Investor, munkeln Insider, bereite die Übernahme des Stahlkonzerns vor: Steht Magna doch wieder vor der Voest-Tür?

Brutaler Machtkampf. Der Kampf um die Kontrolle im Linzer Stahlkonzern wird damit endgültig zum brutalen Showdown zwischen Wirtschaft und Politik. Drei Gruppen streben mit genau verteilten Rollen jetzt nach der Macht in der Voest:

  • Banker & Investoren. Sie wollen sich an der Voest langfristig beteiligen und von der guten Entwicklung des Konzerns in Form von Dividenden und steigenden Aktienkursen profitieren. Wichtigste Figur dieser Gruppe ist der mächtige Chef der oberösterreichischen Raiffeisenbank (RLB), Ludwig „Luigi Moneti“ Scharinger. Seine RLB OÖ hält bereits knapp zehn Prozent an der Voest und will sämtliche Anteile, auch von verbundenen Investoren, in einem „Österreich-Fonds“ bündeln. Geht Scharingers Plan auf, ist er der nächste Aufsichtsratschef der Voest. Weitere Player dieser Kategorie sind die Oberbank, die derzeit rund 6,5 Prozent der Voest-Aktien hält, die Wiener Städtische, die Hypo Oberösterreich, die Oberösterreichische Versicherung sowie die Bawag-PSK.-Gruppe. Scharinger agiert aber Arm in Arm mit der OÖ-Politik.

  • Landespolitiker. In Oberösterreich wird am 28. September gewählt, und es geht jetzt um Wählerstimmen – daher „Stahlwahlkampf“ um jeden Preis. Die Forderung aller Couleurs: Das Land solle sich im Zuge der ÖIAG-Privatisierung beteiligen. Für den Kapitalmarkt bedeutet die Beteiligung der öffentlichen Hand allerdings „Gift“. „Die Aktie hat Potenzial, wenn der Staat sich ganz verabschiedet“, urteilt Aktienspezialist Alfred Steininger von der Raiffeisen Centrobank.

  • Strategen & Stronach. „Strategische Investoren“, die unternehmerisches Interesse an der Voest selbst haben, sind ebenfalls noch im Rennen. Der prominenteste Vertreter war bis kurzem Magna-Gründer Frank Stronach. Trotz der Beteuerungen von Magna-Boss Siegfried Wolf glauben zahlreiche Aktienspezialisten, dass Stronach & Co es noch einmal probieren und hinter dem geheimnisvollen Kauf des Fünf-Prozent-Paketes stehen. Sowohl der Voest-Vorstand als auch die Belegschaft kämpfen dagegen an, da sie befürchten, der Konzern könnte filetiert werden. Ein Schicksal, vor dem aber kein Unternehmen der Welt nach einem Börsegang gefeit ist.

    Pühringers Trick. Landshauptmann Pühringer greift daher im Wahlkampf zu einem besonderen Trick, um „seine“ oberösterreichische Lösung den Wählern zu verkaufen. War zu Wochenbeginn noch die Rede davon, dass das Land selbst Aktien kaufen soll, muss er nun nicht einmal Geld in die Hand nehmen. Denn die RLB OÖ und Oberbank räumen dem Land einfach ein Vorkaufsrecht auf ihre Aktien ein. Damit kann Pühringer sagen, die Banken sind die Oberösterreich-Lösung, und wenn diese verkaufen wollten, kann das Land jederzeit via Vorkaufsrecht zugreifen. Die heikle Gretchenfrage, ob sich das Land die Aktien überhaupt leisten kann und will, stellt sich so noch nicht.

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    PLUS: Die neuen Voest-Mächtigen. Wer beim Börsegang groß einkaufen und den Stahlkonzern kontrollieren will.
    PLUS: Top-Manager: Voest-Chaos schadet der Wirtschaft
    PLUS: Voest-Geheimdeal bringt Magna ins Spiel
    PLUS: Voest-Aktien für alle - lohnt der Kauf?

    10.9.2003 16:05