Samstag, 13. September 2003

Nach Lindh-Attentat: Euro-Gegner in Schweden weiter voran

  • Hohe Wahlbeteiligung wird erwartet
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Einen Tag vor der Volksabstimmung in Schweden über einen Euro-Beitritt des Landes liegen die Euro-Gegner einer Umfrage zufolge weiterhin vorn. Nach einer am Samstag in der Zeitung "Dagens Nyheter" veröffentlichten Umfrage halten die schwedischen Euro-Gegner mit 46 Prozentpunkten weiter ihren deutlichen Vorsprung vor den Euro-Befürwortern, die demnach auf 40 Prozentpunkte kommen. Eine Gallup-Umfrage sieht dagegen die Euro-Befürworter knapp voran. Durch den Tod von Lindh wird mit einer hohen Wahlberechtigung gerechnet.

Die Zahl der noch Unentschiedenen stieg der Umfrage zufolge auf 14 Prozentpunkte gegenüber früheren Umfrage-Ergebnissen an. Die Umfrage wurde nach Bekanntwerden der Nachricht vom Tod der schwedischen Außenministerin Anna Lindh durchgeführt. In der Zeitung wurde der Anstieg der Unentschiedenen, vor allem bei Frauen und Mitgliedern der Sozialdemokratischen Partei, mit dem Mordanschlag an der Politikerin Lindh in Zusammenhang gebracht.

Der schwedische Finanzminister Bosse Ringholm bezeichnete es unterdessen als reine Spekulation, ob der Mord an der Ministerin sich bei der Volksabstimmung als Faktor für die eine oder andere Seite auswirken werde. Er schloss aber nicht aus, dass die neue und dramatische Situation in Schweden der Beteiligung an der Abstimmung zugute kommen könnte.

Finanzminister glaubt an Sieg der Befürworter
Finanzminister Ringholm glaubt, dass sich seine Landsleute für die Einführung der Einheitswährung entscheiden werden. "Stichtag ist zwar Sonntag und ich will auch keine Spekulationen anstellen, aber ich denke, dass es eine kleine Mehrheit für ein "Ja" geben wird", sagte Ringholm am Rande eines informellen Treffen der EU-Finanzminister im norditalienischen Stresa. Gleichzeitig betonte er jedoch, dass die derzeitige Diskussion um Defizitsünder Frankreich "problematisch" und "ein Nachteil" für die Euro-Befürworter in Schweden gewesen sei.

Mord an Lindh
Lindh, Sozialdemokratin und entschiedene Europa-Befürworterin, war am Donnerstag ihren schweren Verletzungen erlegen, die ihr ein Unbekannter bei einem Messer-Attentat zugefügt hatte. Die Polizei verfügt nach eigenen Angaben über Videobilder, die einen Mann zeigen, auf den die bisher vorliegenden Zeugenbeschreibungen des Täters passen. Die Aufnahmen würden noch ausgewertet, aber vorerst noch nicht in den Medien publiziert, um Zeugenaussagen nicht zu beeinflussen, hieß es am Samstag.

Gallup-Umfrage sieht Euro-Befürworter in Schweden knapp vorn
Eine Gallup-Umfrage sieht dagegen die Europa-Befürworter vorn. Laut der Umfrage, deren Ergebnisse am Samstag von der Tageszeitung "Expressen" und dem Sender TV4 veröffentlicht wurden, lagen die Euro-Befürworter bei 43 und die Gegner bei 42 Prozentpunkten. 15 Prozent der Befragten waren unentschieden, das ist ein leichter Anstieg gegenüber früheren Umfrageergebnissen. (APA)

13.9.2003 09:30