Freitag, 12. September 2003

FORMAT über niedrige Zinsen: Bausparen bringt weniger Rendite

  • Ab Anfang nächsten Jahres droht neue Senkung der staatlichen Prämie von bisher 4 auf voraussichtlich 3,5 Prozent

Für 57 Prozent aller Österreicher ist Bausparen eine attraktive Veranlagung - die mit Abstand beste Bewertung aller Anlageprodukte. Dies schlägt sich auch in den Absatzzahlen nieder: Derzeit laufen über fünf Millionen Ansparverträge. Allerdings könnte der bekannte Werbespruch "Am 32. Dezember ist es zu spät" einen ungewollten Nebensinn bekommen. Ab Anfang nächsten Jahres wird einerseits die staatliche Prämie von bisher vier Prozent auf voraussichtlich 3,5 Prozent gesenkt. Und die jährlichen Zinsen könnten im Extremfall bei neuen Verträgen bis auf 0,5 Prozent sinken.

FORMAT vergleicht die Konditionen der einzelnen Kassen mit anderen Sparangeboten. Das Ergebnis: Das Bausparen hat seinen früheren Vorsprung weitgehend eingebüßt.

Zeiten, als Bausparer noch mit einheitlich 4,5 Prozent Zinsen plus Prämie belohnt wurden, sind nämlich seit 1999 Geschichte. Seitdem wurden die Zinsen mehrfach gesenkt, zum Teil erst Anfang September. Bei den meisten Instituten wurde außerdem von fixen auf variable Konditionen umgestellt.

Bei der jüngsten Generation der Verträge, die jetzt angeboten werden, gilt folgendes: In den ersten Monaten wird noch ein attraktiver Einstiegszinssatz gezahlt, der je nach Institut bei drei bis 4,5 Prozent liegt. Danach entwickelt sich der Zinssatz innerhalb gewisser Bandbreiten analog zu einem Zinsindikator wie etwa dem Euribor. So kann zum Beispiel der Ansparzinssatz bei der Raiffeisen-Bausparkasse zwischen 0,5 und 4,0 Prozent schwanken.

Die Zinssenkung der Bausparkassen erfolgt eher unfreiwillig und ist nicht nur Folge des allgemein tiefen Zinsniveaus. Viel stärker macht den Instituten das massive Ungleichgewicht zwischen hohen Bausparguthaben und deutlich niedrigeren Ausleihungen zu schaffen. Jetzt senkt die Branche die Darlehenszinsen, um wieder mit Yen- und Frankenkrediten konkurrenzfähig zu werden.

Susanne Riess-Passer, designierte Chefin der Bausparkasse Wüstenrot: "Weil die Darlehens- und die Sparzinsen im Bausparsystem kommunizierende Gefäße darstellen, müssen wir auch die Sparzinsen entsprechend anpassen. Wüstenrot hat dabei von allen Instituten am längsten mit der Zinssenkung gewartet."

Achtung: In den Prospekten kalkulieren die Institute betont optimistisch mit durchschnittlichen Zinsen von über drei Prozent und Jahresprämien bis 5,5 Prozent. Nur im Kleingedruckten steht Näheres über die Details der Zinsgleitklausel. Deshalb sollte jeder, der einen variabel verzinsten Vertrag unterschreibt, sich vorher genau erkundigen, in welcher Bandbreite die Zinsen liegen können und welcher Wert sich künftig errechnet, falls der Zinsindikator auf derzeitigem Stand verharrt.

Insgesamt, glaubt LBA-Bausparboss Johann Berger, ist Bausparen trotz der Zinssenkung weiter attraktiv: "Wo gibt es denn sonst so viel Geld für eine sichere Veranlagung mit einer durchschnittlichen Kapitalbindung von drei Jahren?" Und Raiffeisen-Expertin Hochreiter ergänzt: "Schließlich kann es ja durchaus sein, dass die Zinsen in den nächsten sechs Jahren wieder deutlich steigen."

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12.9.2003 10:52