Nur jedes zweite Unternehmen hält Börsen-Kodex ein
- Erst 17 Unternehmen haben sich dem Kodex unterworfen
- Nur OMV akzeptiert Kodex-Regeln ohne Ausnahme
Nicht einmal jedes zweite Unternehmen im Prime Market, dem Top-Segment der Wiener Börse, hält die Regeln des Österreichischen Corporate Governance Kodex ein, der eine Art Knigge für das Wohlverhalten für Unternehmen darstellt. Nur die OMV akzeptiert die Kodex-Regeln ohne Ausnahme, so das Ergebnis einer Untersuchung. Dabei wurden die Websites von 37 Unternehmen des Prime Market ausgewertet.
Demnach haben sich erst 17 Unternehmen im Prime Market dem Kodex unterworfen. Ein Viertel der Gesellschaften sei nicht bereit, Beratungsverträge und andere Rechtsgeschäfte mit Aufsichtsratsmitgliedern oder deren Unternehmen zu veröffentlichen. Ebenso viele Gesellschaften lehnten die Veröffentlichung von Aktienkäufen von Vorstands- oder Aufsichtsratsmitgliedern auf ihrer Website ab.
Auch bei den Bezügen von Vorständen und Aufsichtsräten herrscht Zurückhaltung. Die Kodex-Regeln über Bemessungskriterien bei Stock Options, die das Ausufern von Vorstandsvergütungen mittels Kursgewinnen verhindern sollen, wollen einige Unternehmen nicht einhalten.
"War Österreich bei der Einführung des Kodex schon internationales Schlusslicht, so hinken nunmehr die heimischen Unternehmen bei der Akzeptanz des Kodex nach", meint Hanns Hügel, Seniorpartner der internationalen Anwaltskanzlei Haarmann Hügel. In Deutschland hätten sich dagegen fast alle DAX-Unternehmen dem deutschen Kodex unterworfen.
Nachbesserungen könnten aber im nächsten Jahr erfolgen, da die Umsetzung einiger Regeln Satzungsänderungen erfordern, die erst in den kommenden Hauptversammlungen durchgeführt werden können. (apa)
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