Donnerstag, 11. September 2003

Deutschland-Sieg: Befreiungsschlag in der EM-Quali

  • Quartett Frankreich, Tschechien, Schweden & Bulgarien darf bereits feiern
  • Nach Niederlande droht einigen weiteren Kalibern das Playoff

276 Tage vor Beginn der Fußball-EM 2004 in Portugal (12. Juni bis 4. Juli) hat ein Quartett die Tickets Richtung Süden bereits gelöst: Titelverteidiger Frankreich, Österreich-Gegner Tschechien sowie Schweden und Bulgarien. Neben dem Schlager der ÖFB-Gruppe drei Tschechien - Niederlande (3:1) war der "Hammer des Abends" das mit Spannung erwartete Gruppe-5-Duell Deutschland - Schottland. Die Völler-Truppe machte mit dem 2:1 in Dortmund auch einen Riesensatz Richtung Endrunde.

Im deutschen Lager schlug nach dem geglückten Befreiungsschlag der enorme Druck in kollektive Erleichterung um. Nur ein physisch und psychisch total erschöpfter Rudi Völler konnte erst am Tag danach einen seiner wertvollsten Siege genießen. Während die Spieler zusammen mit dem Dortmunder Publikum schon auf dem Rasen mit La-Ola-Wellen feierten, blickte der DFB-Teamchef sofort wieder auf das Gruppen-Endspiel am 11. Oktober in Hamburg gegen Island: "Erleichtert bin ich noch nicht richtig, weil wir noch nicht durch sind. Ich werde den Fehler nicht machen und den Sieg so feiern, als ob wir schon in Portugal wären."

Glückwünsche von McBerti
Ein Punkt fehlt dem Vize-Weltmeister noch, doch der geschlagene Schotten-Coach Berti Vogts beglückwünschte Völler bereits am Mittwoch zu Platz eins. "Gratulation für die Qualifikation, die Mannschaft hat es verdient." Mehr als 15 Millionen Zuschauer schauten zu, wie das Team die Rückendeckung des Teamchefs zurückzahlte. "Die Spieler sind für Rudi durchs Feuer gegangen", urteilte Sportminister Otto Schily. "Es war ein Riesen-Befreiungsschlag", jubelte Arne Friedrich nach dem Sieg in der Dortmunder "Festung", wo am 15. Oktober auch die Wiener Austria zu Gast sein wird.

Entscheidung vertagt
Ihre ersten Matchbälle im Kampf um ein EM-Ticket haben in Gruppe 10 die Schweiz (1:4 in Russland) sowie in Gruppe 2 Dänemark (2:2 zu Hause gegen Rumänien) vergeben. Diese Entscheidungen wurden, so wie viele andere auch, auf den "Finaltag" 11. Oktober vertagt. Lediglich in den Gruppen 1 und 3 ist alles klar, Frankreich (2:0 in Slowenien) und Tschechien sind durch, Slowenien und die Niederländer im Playoff der Gruppen-Zweiten.

Weg ins Stechen droht
Ebenfalls der Weg in dieses Stechen (15./16. sowie 18./19. November) droht weiteren Hochkarätern wie Spanien, Russland, Kroatien, Dänemark sowie England (nur 2:0 gegen Liechtenstein mit Teamchef Hörmann) oder der Türkei.

"Grazie Finlandia"
Mit einer gehörigen Portion Glück dürfte dies dem dreifachen Weltmeister Italien erspart bleiben. Denn das armselige 1:1 der "Squadra azzurra" in Serbien-Montenegro blieb folgenlos, weil Verfolger Wales beim 1:1 gegen Finnland ebenfalls Punkte ließ. "Grazie Finlandia", titelte die "Gazzetta dello Sport". Mit einem Sieg gegen Aserbaidschan dürfte die Mannschaft von Trainer Giovanni Trapattoni das EM-Ticket lösen.

Spanien nur Zweiter
Spanien kann dagegen den Gruppensieg aus eigener Kraft nicht mehr schaffen. Mit dem 2:1-Sieg gegen die Ukraine dank zweier Tore von Real Madrids Stürmerstar Raul sicherte sich der Europameister von 1964 aber immerhin den zweiten Platz in der Gruppe 6 hinter Griechenland.

Viel Wirbel in der Gruppe 7
Das brisante Finale in Gruppe 7 zwischen der Türkei und England in Istanbul wirft bereits seine Schatten voraus. Die UEFA hat Alarmstufe eins ausgelöst. Nachdem englisch-türkische Spiele in der Vergangenheit häufig von Ausschreitungen begleitet worden waren. Englands schwedischer Teamchef Sven-Göran Eriksson empfahl den Fans, zum Schutz ihres Lebens nicht in die Türkei zu reisen. Daraufhin meinte der türkische Verbandschef Haluk Ulusoy: "Natürlich will er keine englischen Fans in der Türkei haben, weil er sie nicht verlieren sehen will. Nach dem Spiel wird Eriksson höchstens noch die Auswahl von Patagonien betreuen dürfen."

(APA/red)

11.9.2003 14:04