Samstag, 13. September 2003

Komponist Ligeti nimmt Adorno-Preis entgegen

  • Preis ist mit 50.000 Euro dotiert

Im Rollstuhl hat der 80-jährige Komponist György Ligeti am Samstag in Frankfurt den Theodor W. Adorno-Preis entgegen genommen. Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth schob den Geehrten persönlich auf die Bühne, um ihm die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung zu überreichen.

Die Stadt ehrt mit dem Adorno-Preis seit 1977 Persönlichkeiten für hervorragende Leistungen auf den Gebieten der Philosophie, der Musik, des Theaters oder des Films.

Die Musik des gebürtigen Ungarn habe "eine große Affinität mit Adornos Musikästhetik", heißt es in der Preisurkunde. Ligeti sei "einer der bedeutendsten Komponisten der Gegenwart". Er habe "die Vision einer neuen Musik verwirklicht" und mit einer "außerordentlichen stilistischen Vielfalt" den "Grunderfahrungen der Moderne Ausdruck verliehen."

Der Adorno-Preis wurde anlässlich des 100. Geburtstags seines Namensgebers am vergangenen Donnerstag außer der Reihe vergeben. Vor zwei Jahren hatte der Philosoph Jacques Derrida die Ehrung erhalten.

In seiner Laudatio zeichnete der Musikkritiker Gerhard Koch Parallelen in den Lebenswegen Ligetis und Adornos nach. Beide entstammten dem jüdischem Bürgertum, für beide sei das Emigranten-Schicksal prägend gewesen. Ligeti wurde 1923 in Siebenbürgen geboren, sein Vater und sein Bruder wurden von den Nationalsozialisten ermordet. 1956 floh er nach dem Ungarn-Aufstand nach Wien und nahm die österreichische Staatsbürgerschaft an.

Der Geehrte selbst berichtete von seinen persönlichen Begegnungen mit Adorno, dessen Schriften er "sehr bewundert" habe, obwohl er vieles darin nicht verstanden habe. (apa)

13.9.2003 22:28