Samstag, 13. September 2003

Terror-Alarm in München: Bayern warnt vor erhöhter Neonazi-Gefahr

  • Neonazis wollten bei Grundsteinlegung jüdisches Zentrum sprengen

Nach dem verhinderten Sprengstoffanschlag von Münchner Neonazis sieht Bayerns Innenminister Beckstein eine erhöhte Gefahrenlage. Rechtsextremisten könnten versucht sein, nach der Festnahme der Beschuldigten erst recht Aktivität zu demonstrieren, sagte Beckstein. Zudem bestehe die Gefahr von Nachahmungstaten. "Wir haben unsere Sicherheitsvorkehrungen auf allen Ebenen deutlich verschärft."

Das verhinderte Attentat auf die geplante neue Synagoge in München hat nach den Worten von Beckstein eine neue Qualität des Rechtsextremismus gezeigt. "Bisher gab es immer wieder einzelne Gewalttaten aus der rechtsextremen Szene. Aber dass ein Anschlag über Monate hinweg so vorbereitet wird - mit der Einbindung einer ganzen Gruppe von Leuten und der Beschaffung von 14 Kilo Sprengstoff - das ist ein Alarmsignal", sagte der CSU-Politiker. "Der Fall zeigt, wie stark das Netzwerk des Rechtsextremismus in Deutschland ist."

Insgesamt gibt es nach Angaben des Ministers in Bayern rund 250 gewaltbereite Neonazis und bis zu 900 gewaltbereite Skinheads. Statt in Vereinen organisierten sie sich zunehmend in so genannten Kameradschaften, um sich dem möglichen Zugriff des Vereinsrechts zu entziehen. Auch der in München festgenommene Hauptbeschuldigte Martin Wiese gehörte zu einer solchen Kameradschaft.

In Bayern ist nach dem Schlag gegen die Wiese-Gruppe vor allem der Schutz jüdischer Einrichtungen verschärft worden. Zudem wurde bekannt, dass die in München verhafteten Neonazis eine ganze Reihe von möglichen Zielen für Anschläge im Blick hatten. Neben jüdischen Einrichtungen standen auch Moscheen und eine griechische Schule in der bayerischen Landeshauptstadt auf einer Listemeradschaft Süd, Martin Wiese, entdeckt worden, schreibt "Der Spiegel".
(apa)

13.9.2003 11:17