Verbal-Amoklauf von Berlusconi: "Mussolini hat niemanden ermordet"
- "Besser das faschistische Regime als Saddam Husseins Diktatur"
·"Geisteskrank"
Berlusconi beleidigt Italiens Richter!
Es war nur eine Frage der Zeit: Italiens Regierungschef (und EU-Ratsvorsitzende) fand in einem Interview Worte des Lobes für Mussolini. Der faschistische Diktator sei wesentlich besser als das Regime des ehemaligen irakischen Führers Saddam Hussein gewesen: "Mussolini hat wenigstens niemanden ermordet."
Das Interview führte er mit dem Chefredakteur der britischen Wochenmagazin "The Spectator". Das Interview wurde am Donnerstag von der italienischen Tageszeitung "La Voce di Rimini" veröffentlicht.
"Ich begreife die Probleme, einem Volk, das 40 Jahre lang nur eine Diktatur gekannt hat, die Regeln der Demokratie zu lehren", sagte Berlusconi. "Wie in Italien?", fragten die beiden britischen Journalisten Johnson und Nicolas Farrell, die Berlusconi Ende August in seiner Sommerresidenz auf Sardinien interviewt hatte. Berlusconi antwortete, dass die faschistische Diktatur in Italien "gutmütiger" gewesen sei. "Mussolini hat niemanden ermordet. Mussolini schickte die Leute auf Urlaub ins Exil."
Das Interview schockte Italiens oppositionelle Linke. "Berlusconis Worte können als faschistische Propaganda bestraft werden", kommentierte der Spitzenpolitiker der oppositionellen Linksdemokraten (DS, stärkste Oppositionspartei), Fabio Mussi. Er betonte, dass tausende von Anti-Faschisten in Italien ermordet worden seien. Berlusconi leugne die unzähligen politischen Gegner, die den Widerstand zu Mussolinis Regime mit ihrem Leben bezahlten.
"Die Worte Berlusconis sind ein Affront für das zivile Gewissen Italiens. Man muss innerlich morsch sein, um so etwas über Mussolini zu behaupten. Berlusconi hat weder für die Toten, noch für die noch lebenden Personen Respekt, die den Faschismus bezeugen können", sagte der Abgeordnete der Linksdemokraten, Gavino Angius. Scharf kritisiert wurde Berlusconi auch vom Präsidenten der jüdischen Gemeinschaft in Italien, Amos Luzzatto. Er warnte vor einer Tendenz in Italien, den Faschismus zu rehabilitieren und ihn als "väterliches" Regime darzustellen.
Das Interview Berlusconi mit "The Spectator" hatte bereits Anfang September auf internationaler Ebene für einen Eklat gesorgt. Im Gespräch mit den britischen Journalisten hatten der italienische Ministerpräsident die Richter in seinen Land als "geistesgestört" bezeichnet. "Man muss geistesgestört sein, um diesen Beruf auszuüben. Wenn Richter diesen Job haben, ist es, weil sie anthropologisch vom Rest der menschlichen Rasse verschieden sind", hatte Berlusconi gesagt und damit Wellen der Entrüstung in Italien ausgelöst.(apa)
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