Sektionschef im Gesundheitsministerium verordnete Toten Hörgeräte
- WGKK deponiert Sachverhaltsdarstellung bei Staatsanwaltschaft
- Öllinger: Haupt gegenüber Parlament Unwahrheit gesagt
Der ehemalige Kabinettchef von Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck und jetzige Sektionschef im Gesundheitsministerium, Hubert Hrabcik, soll im Rahmen seiner Tätigkeit als HNO-Konsiliararzt zwei früheren Patienten Hörgeräte verordnet haben, als diese bereits seit über zwei Monaten tot waren. Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, übermittelte die Wiener Gebietkrankenkasse (WGKK) der Staatsanwaltschaft Wien deshalb eine Sachverhaltsdarstellung.
Zu dieser Verordnung dürfte es deshalb gekommen sein, weil sich Hrabcik offensichtlich nicht an die vertraglichen Regelungen zwischen dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger und den Hörgeräte-Akkustikern gehalten habe, wonach HNO-Ärzte eine Verordnung schreiben müssen, bevor dem Patienten ein Hörgerät angepasst wird. Hrabciks ehemalige Patienten hätten die Hörgeräte auf Probe erhalten, der Sektionschef habe die Verordnung erst nach Ablauf der vorgesehenen Probezeit ausgestellt, ohne die Patienten nochmals zu untersuchen. Hrabcik rechtfertigt seine Vorgangsweise damit, dass er den seit 2002 gültigen Vertrag "persönlich für falsch" halte.
Kritik von Grünen
Die Grünen haben am Sonntag Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat aufgefordert, im Fall des Sektionschefs Hubert Hrabcik Konsequenzen zu ziehen. "Ein Sektionschef im Gesundheitsministerium, der sich nicht an die vom eigenen Ressort aufgestellten Regeln hält, ist inakzeptabel", sagte der stelllvertretende Klubobmann und Sozialsprecher der Grünen, Karl Öllinger.
Öllinger warf Sozialminister Herbert Haupt vor, in der Causa Hrabcik dem Parlament gegenüber die Unwahrheit gesagt zu haben. In einer Anfragebeantwortung im Jahr 2002 habe Haupt geschrieben, dass Hrabcik sein Tätigkeit als Konsiliararzt aufgegeben habe, in einer späteren Anfragebeantwortung jedoch, dass Hrabcik seine Tätigkeit weiter ausübe. "Das sind zwei sich diametral widersprechende Aussagen eines Ministers, von denen jedenfalls eine unwahr sein muss. Noch dazu in einer Causa, die, wie sich jetzt herausstellt, eine Kontrolle des Ministers absolut erforderlich gemacht hätte." Öllinger kündigte jedenfalls weitere parlamentarische Anfragen an. (apa)
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