Voestler bei Klestil: Präsident macht "einige Anrufe"
- Gewerkschafter mit Geschenken und Kuchen bei Klestil
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Ob Bundespräsident Thomas Klestil den Voest-Deal stoppen kann? Gewerkschafter des Stahl-Konzerns glaubten dies zwar nicht, stellten sich am Donnerstag aber dennoch mit Kuchen und Geschenken beim Staatsoberhaupt vor und baten wenigstens um "moralische Unterstützung". Diese sagte Klestil zu. Und "ein paar Telefonate" wolle er auch noch führen.
Die Betriebsräte seien als interessierte Staatsbürger in der Lage die realen Möglichkeiten des Bundespräsidenten einzuschätzen. "Wir haben nicht geglaubt, dass wir heute kommen und der Bundespräsident morgen sagt: Regierung nein!", meinte Oberchristl nach dem ca. 50-minütigen Gespräch. Man habe dem Bundespräsidenten die Sorgen und Ängste der Voest-Belegschaft mitgeteilt und erklärt, dass die derzeit geplante Vorgehensweise "keine Sicherheit" für den Standort bringe. Klestil habe "nach links und rechts mahnende Worte gefunden" und auf seine Stellungnahme bei der Rieder Messe verwiesen, so Oberchristl.
In Ried hatte sich Klestil für den Erhalt der Voest-Arbeitsplätze und die Wahrung der österreichischen Interessen ausgesprochen. Zudem hatte Klestil betont, die Nachhaltigkeit der Privatisierung sei wichtiger als der Zeitpunkt des Verkaufs der Voest-Anteile. Nach dem heutigen Treffen gab Klestil keine Stellungnahme ab.
Auf mögliche Streiks gegen die Voest-Privatisierung wollte sich Oberchristl nicht festlegen: Er wolle nicht "jetzt vor Kameras und Mikrofonen sagen, was wir morgen oder übermorgen planen". Es werde aber jedenfalls weitere Aktionen geben. Wenn man eine Menschenkette mit 12.000 Personen zusammenbringe, müsse man sich "vor nichts fürchten", meinte Oberchristl.
Die acht Betriebsräte hatten Klestil Geschenke mitgebracht: Ein Buch und einen Film über den Arbeitsalltag von 60 Voest-Mitarbeitern und eine Linzer Torte. Das Treffen mit dem Bundespräsidenten dürfte bei den Betriebsräten ganz gut angekommen sein. Zumindest Angestelltenbetriebsrat Fritz Sulzbacher zeigte sich nach dem Treffen begeistert: "Jetzt bin ich ein Klestil-Fan geworden."
Klestil gegen Zeitdruck bei Privatisierung
Klestil hat sich für die langfristige Sicherung des Linzer Stahlkonzerns voestalpine ausgesprochen. Nur so könnten die Arbeitsplätze an den österreichischen Standorten garantiert werden, so Klestil in einer Aussendung nach dem Treffen mit Voest-Betriebsräten. "Aus diesem Grund sollten die Privatisierungspläne nicht unter Zeitdruck, sondern nachhaltig erfolgen", betonte Klestil.
Die voestalpine müsse auch weiterhin ein Referenz-Beispiel für die technologische Leistungskraft der österreichischen Industrie auf den internationalen Märkten darstellen, betonte Klestil. Der Bundespräsident sagte den Betriebsräten zu, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten dafür einzusetzen, dass diese Gesichtspunkte - und nicht vornehmlich budgetpolitische - den Ausschlag für die Beschlüsse in den kommenden Tagen bilden sollten. (APA/red)
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