Mittwoch, 10. September 2003

Pfleger wehren sich nach Skandal: "Das ist eine Hetzkampagne"

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"Horrormeldungen" und eine "Hetzkampagne" werde man sich nicht gefallen lassen.! So reagieren Pfleger und Ärzte des Wiener Geriatriezentrums Am Wienerwald (GZW) - des ehemaligen Pflegeheimes Lainz - auf die Berichterstattung über die Vorfälle in ihrem Heim. Auch Primarius Wense kritisiert den Kontrollbericht der MA 47.

Man wolle an den Geschehnissen im Pavillon I "nichts beschönigen", sagte Monika Mauerhofer von der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten (GdG) am Mittwoch in einer Pressekonferenz in Lainz.

Es habe Fehler bei der Hygiene und der Dokumentation gegeben, räumte Stationspfleger Herbert ein. Die Vorfälle seien aber "skandalisiert" worden. Anders als medial berichtet, habe man die Patienten täglich am ganzen Körper gewaschen.

Georg Wense, der Primarius des Pavillons, kritisierte den Kontrollbericht der Magistratsabteilung 47. Auf Grund der Situation einer einzigen Patientin sei "im Gutachterstil" auf die gesamte Abteilung geschlossen worden. "Ich sehe eine solche Kontrolle von außen als Bereicherung an, aber ich wünsche mir, dass sie objektivierbar bleibt", so der Primar.

Auch Gerhard Steiner, Personalvertreter und selbst lange Zeit Pfleger im Pavillon I, widersprach dem Bericht. Dass manche Patienten bereits um 15.00 Uhr im Bett vorgefunden worden seien, könne durchaus auf deren eigenen Wunsch geschehen sein. "Zu Hause würde sich niemand wundern, wenn eine 80- oder 90-jährige Person so etwas macht." Dass Patienten, die nicht inkontinent waren, Windeln hatten tragen müssen, sei allerdings "durch nichts zu entschuldigen". Steiner warb aber um Verständnis, er verwies auf die Personalknappheit und auch die langen Wege zu den Toiletten in dem fast 100 Jahre alten Gebäude.

Angelika Rosenberger-Spitzy, die ärztliche Direktorin des Geriatriezentrums, nahm ihre Mitarbeiter in Schutz: "Was ist passiert? Es gab eine Patientin mit schmutzigen Nägeln und fettigen Haaren. Aber es ist kein Patient misshandelt worden. Das mit den Morden im Krankenhaus Lainz zu vergleichen, ist einfach eine Gemeinheit."

Im Pavillon I würden die Patienten nicht schlechter behandelt als in anderen Bereichen des GZW. Mit einer Stationsschwester habe es tatsächlich Probleme gegeben. Veränderungen seien aber schon vor der Kontrolle geplant gewesen.

Rosenberger-Spitzy verwies darauf, dass die MA 47 bisher vor allem private Senioreneinrichtungen kontrolliert habe. "Ich kann aber eine Seniorenresidenz nicht mit hier vergleichen." In Lainz würden schließlich schwerstkranke, multimoribunde Patienten behandelt.

Mauerhofer betonte auch, dass die Personalsituation sehr angespannt sei: "Es gibt im Moment am Arbeitsmarkt niemanden, der hier eingesetzt werden könnte." Der Beruf sei nur wenig attraktiv, nach den jetzigen Vorfällen werde sich das wohl auch nicht ändern. Die Gewerkschaft fordert daher u.a. die Schaffung einer Geriatriezulage, um für neues Personal einen Anreiz zu schaffen. (APA/red)

10.9.2003 12:32