Schwarze Kritik am Kanzler! Van Staa: Voest ist "emotionelle Angelegenheit"
- Grasser: "'Bund raus, Land rein' ist keine Privatisierung"
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Zwei schwarze Landesfürsten kritisieren Kanzler Schüssel! Grund: Die heiß umstrittene Voest-Privatisierung. Den Deal ausgerechnet in der heißen Phase vor der Landtagswahl am 28. September abzuwickeln, sei "nicht opportun". Tirols Van Staa: "Die Voest ist eine zu emotionelle Angelegenheit". Finanzminister Grasser zu den Plänen der Landespolitiker, Anteile zu erwerben: "'Bund raus, Land rein' ist keine Privatisierung". Enttäuschend für Kleinaktionäre: Sie werden im 1. Privatisierungsschritt leer ausgehen - die Zeit für einen "normalen Börsegang" sei zu kurz.
Der Tiroler Landeshauptmann Van Staa schließt sich der Kritik seines Salzburger Kollegen Schausberger an Bundeskanzler Schüssel im Zusammenhang mit der voest-Privatisierung an. "Ich selbst habe als Tiroler mit Wolfgang Schüssel nie ein Problem gehabt. Wenn es um die Voest geht, verstehe ich aber die kritischen Worte meines Landeshauptmannkollegen", sagt Van Staa in der "Tiroler Tageszeitung.
"Diese Privatisierung ausgerechnet während des Landtagswahlkampfes durchzuführen, halte ich nicht für opportun. Die Voest ist eine zu emotionelle Angelegenheit", meint der gebürtige Oberösterreicher van Staa. Er hätte sich von Schüssel "schon mehr Leadership gewünscht", und zwar in dem Sinn, "dass es mehr Koordination hätte geben müssen".
Der Tiroler Landeshauptmann versteht auch die Bemühungen seines oberösterreichischen Kollegen Josef Pühringer, der sich um einen oberösterreichischen Kernaktionär bemüht: "Hier bin ich ganz auf der Seite meines Freundes Josef Pühringer." Die Voest sei eine "emotionelle Angelegenheit".
Nicht zielführend ist die geplante "Verländerung" der derzeitigen Bundesanteile an der voestalpine hingegen für den Kapitalmarktbeauftragten der Regierung, Richard Schenz. Es sei zwar "legal und in Ordnung", sagt Schenz in der Dienstag-Ausgabe der "Kleinen Zeitung", dass das Land Oberösterreich oder Landesbetriebe Voest-Aktien kaufen wollen, aber "die Politik hat da nichts verloren".
Schenz befürchtet auch, potenzielle Investoren könnten sich durch die weitere politische Einflussnahme auf die Voest abschrecken lassen. Eine Umtauschanleihe ist für Schenz nicht mehr als ein "Kompromiss in Wahlkampfzeiten", aber nicht unbedingt ein guter.
Die Kleinanleger gehen leer aus!
Kleinaktionäre sollen im ersten Privatisierungsschritt der voestalpine leer ausgehen. Die Zeit für einen "normalen Börsegang" sei offenbar zu kurz, zumal bereits am 11. September 2003 das sogenannte "book building" zum Verkauf von 25 Prozent der Voest beginnt. Das Volumen werde bei knapp 340 Mio. Euro liegen, hieß es.
Wie die Tageszeitung "Kurier" am Dienstag berichtete, könnten Großanleger sich ab diesem Tag bei der Investmentbank J.P.Morgan melden und Kaufwünsche abgeben. Kleinanleger würden wegen der hohen Mindestabgabemengen nicht berücksichtigt. Abgeschlossen sein soll die Transaktion Ende nächster Woche.
10 Prozent der Voest - derzeit 139 Mio. Euro - wolle die ÖIAG über eine Umtauschanleihe verkaufen, so der Kurier. Mit einer Laufzeit von drei Jahren und einer Verzinsung von 1,5 bis 2,2 Prozent dürfte der Preis, bis zu dem es attraktiv sei zu tauschen, bei 43 Euro je Aktie liegen. Die Anleihe werde eine hohe Stückelung haben, sodass auch hier praktisch nur Großinvestoren zum Zug kommen sollen.
Dem Vernehmen nach sollen spätestens Anfang kommender Woche "österreichische Kernaktionäre" die Kontrolle über die Voest halten können. Die Raiffeisen OÖ/Generali Gruppe dürften nach Analystenschätzungen am Ende maximal 12 bis 14 Prozent halten. Der Anteil der Oberbank soll auf 8 bis 10 Prozent steigen. Die Mitarbeiterstiftung der Voest werde auf etwa 10 Prozent aufgestockt, hieß es. (apa, red)
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