Dienstag, 9. September 2003

Streicher zur Voest: "Ich würde nicht verkaufen"

  • Verkauf an OÖ hat keinen Sinn: "Bund ist Land"
  • Industriellen-Vereinigung sagt ebenfalls Nein

"Ich würde nicht verkaufen": Der Aufsichtsratspräsident der voestalpine, Rudolf Streicher, sieht keinen Sinn in der geplanten Aktion des Landes Oberösterreich, Staatsanteile der voestalpine zu übernehmen. "Bund ist Land", der Kapitalmarkt würde die Beteiligung vom Land genauso skeptisch sehen wie jene vom Bund. Auch die Industriellen-Vereinigung wandte sich gegen den Kauf durch das Land.

Sollte es stimmen, dass die Beteiligung des Staates an Unternehmen für den Kapitalmarkt schlecht sei - was er, Streicher, nicht glaube - dann sei es unverständlich, dass sich jetzt das Land Oberösterreich engagieren müsse, gab er in der "Zeit im Bild 2" am Montag zu bedenken. Der österreichische Kernaktionär "wandere nur vom Bund zum Land", da hätte es auch andere Modelle gegeben, glaubt Streicher, etwa einen Fonds, der sicherstellt, dass kein Politiker Einfluss bekommt.

Im übrigen würde er das Unternehmen nicht verkaufen, die betriebswirtschaftlichen Aussichten seien exzellent - aber "es gibt einen Regierungsauftrag und der Eigentümer kann machen, was er will". Allerdings habe die Regierung bisher in dieser Causa "keine sehr glückliche Hand gehabt" und sei einen "zick-zack-Kurs" gefahren. "Die
Unternehmungen tun sich sehr schwer, den Eigentümerwillen zu erkennen", betonte der Ex-Verstaatlichtenminister.

Industrie gegen Landesbeteiligung
Ein klares Nein zur Beteiligung des Landes Oberösterreich an der voestalpine AG kommt von der oö. Industrie. Das wäre "genau das Gegenteil von dem, was durch die Privatisierung erreicht werden soll", hieß es in einer Aussendung. Ziel der Privatisierung sei es, die öffentliche Hand und damit den politischen Einfluss "von dem exzellent geführten Unternehmen" fern zu halten, so die Industriellenvereinigung, "eine Beteiligung des Landes würde nur dazu führen, dass statt der Bundespolitik die Landespolitik die Unternehmensentwicklung mitbestimmen möchte, was für einen international tätigen Konzern nur negative Folgen haben könnte".(apa, red)

9.9.2003 07:59