Mittwoch, 3. September 2003

Sechs Araber für Margot K.

  • 6 Pferde aus königlichem Gestüt gehören dem Ehepaar Klestil
  • Hat der BP so wertvolle Geschenke annehmen dürfen?

Ein heikler Fall: Der König von Saudi-Arabien machte dem Präsidenten wertvolle Geschenke. Ein Trojanisches Pferd für die Hofburg?

Montag, 25. August 2003. Behutsam landete an diesem heißen Sommertag die aus der saudiarabischen Hauptstadt Riad kommende Maschine mit wertvoller Fracht am oberösterreichischen Flughafen Linz-Hörsching. Beamte des Zolls und der Veterinärbehörde nahmen das Ladegut entgegen: vier prachtvolle Araberpferde aus dem Gestüt des Königs von Saudi-Arabien.

Niemand Geringerer als Margot Klestil-Löffler, Spitzendiplomatin im Außenamt und Gattin des amtierenden Bundespräsidenten, nahm die Tiere persönlich in Empfang.
Den Zollpapieren zu entnehmen: Absender der vier Pferde ist niemand Geringerer als König Fahd von Saudi-Arabien, deren Empfänger niemand Geringerer als Bundespräsident Thomas Klestil. Deklariert sind die von arabischen Tierärzten begleiteten vier Hengste und Stuten als persönliches Geschenk des Königs an seinen Freund Klestil.

Margot Klestil-Löffler wickelte in sichtlicher Nervosität die Geschenkübernahme vor Ort ab. Eines der Pferde, der wunderschöne zweijährige Rappe Mustaq (auf Deutsch: „Sehnsucht, Verlangen“), machte einen ungesunden Eindruck. Ein zweites Pferd – die dunkelbraune Petra („der Stein“) – hatte deutliche Schwierigkeiten beim Auftritt. Sie hinkte. Die beiden anderen Tiere erfreuten sich bester Gesundheit.

Die Zollbehörde Linz wurde gebeten, die amtswegige Schätzung der vier Pferde vorzunehmen. Klestil-Löffler zu NEWS: „Selbstverständlich zahle ich die Schenkungssteuer, sobald der ausgefertigte Behördenbescheid bei mir einlangt.“ Nachsatz: „Die fälligen Steuern und Abgaben werden auf Euro und Cent überwiesen, nur damit ja niemand auf falsche Gedanken kommt.“

Noch am Montag wurden die Tiere im Container der auf solche Transporte spezialisierten Panalpina nach Wien überstellt. In der Freudenau, im Reitstall Schweigert, fanden sie ein neues Zuhause. Doch schon bald überkam die Präsidentengattin ein merkwürdiges Unruhegefühl. Noch in der Nacht fuhr sie daher in den Stall in die Freudenau, wo sie den gekrümmt am Boden liegenden und sich in Schmerzen windenden Rappen Mustaq und eine sichtlich lahmende Stute
Petra vorfand. In aller Eile wurden beide Tiere in die Veterinär-medizinische Universitätsklinik nach Wien-Floridsdorf verfrachtet, wo – dortige Ärzte gehören zum Freundeskreis der Klestils – sofort eine Diagnose gestellt wurde. Beim Rappen Mustaq hatten sich – nicht selten bei so hoch überzüchteten Tieren – möglichweise während des Fluges zwischen Riad und Linz Darmschlingen verknotet. Im Stress, dem das Tier ausgesetzt war, war dann eine der Schlingen in den Hoden des Pferdes gerutscht – eine lebensbedrohende Kolik war die Folge. Die Ärzte der Wiener VetMed retteten dem Tier in einer Notoperation das Leben; Margot Klestil-Löffler verbrachte jede freie Minute an der Seite des aus der Narkose aufwachenden Junghengstes.
Möglicherweise ist er diese Woche außer Lebensgefahr.

Bei der Stute Petra wurde Hufrehe festgestellt, eine äußerst schmerzhafte Entzündung der Lederhaut des Hufes. Die Veterinäre hoffen, dass das Tier mit konservativer Behandlung geheilt werden kann.

Mustaq und Petra bleiben vorerst als VIP-Patienten im VetSpital. Die beiden anderen Tiere stehen mittlerweile frohgelaunt im Reitstall Schweigert in der Freudenau. Wo sie bereits zwei weiteren Klestil-Pferden – der 12-jährigen Fuchsstute Safiyah („Frau des Propheten Mohammed, die aufrichtige und reine Auserwählte“) und dem sechsjährigen Schimmelhengst Hafil – Gesellschaft leisten. Auch Safiyah und Hafil waren Geschenke von König Fahd an Klestil – die Überstellung der beiden Ersttiere von Riad nach Wien erfolgte schon vor 14 Monaten. König Fahd hatte zu den beiden Pferden auch noch zwei Dromedare aus königlicher Zucht beigegeben – diese sind derzeit
im Schönbrunner Zoo (unter Schirmherrschaft der Klestils) öffentlich zu besichtigen.

Bilanz des Tiertransfers: Zwei Pferde und zwei Dromedare vor eineinviertel Jahren, vier weitere Pferde in der Vorwoche. Zwei weitere Dromedare stehen in der Pipeline, aber wegen der Gefahr der Einschleppung einer Seuche wird ihnen derzeit von der Wiener Gesundheitsbehörde die Einreisebewilligung verwehrt.

Den ganze Artikel finden Sie im neuen NEWS
PLUS: Von Riad nach Wien: Zehn arabische Tiere auf Geschenkwanderung

3.9.2003 16:21