Ein Bomben Wahljahr
- Start zur schwarz-blauen Zitterpartie
- Sonntagsfrage: VP erholt, FP im Tief

SUPER-Wahljahr. Oberösterreich, Tirol & Haiders Schicksalswahl in Kärnten: Es drohen Dauercrash & Nonstop-Wahlkampf.
Wackel-Koalition. Mehrheit glaubt an Koalitionsende vor 2006, VP-FP als Koalition nur halb so beliebt wie VP-SP.
Nach dreistündiger Debatte im Ministerrat konnte sich der Kanzler sein spitzes Lächeln wieder einmal nicht verkneifen: „Seht ihr. War doch eine leichte Übung“, kommentierte Wolfgang Schüssel den – wieder einmal in letzter Sekunde – abgewendeten Koalitionscrash in Sachen Voest gegenüber seinen Ministern. Hatten die Freiheitlichen, allen voran Herbert Haupt, noch Dienstagfrüh einen Privatisierungsstopp für die noch teilverstaatlichte Linzer Stahlschmiede gefordert, war dann mit einem simplen Rechtsgutachten von Jörg Haiders Gottseibeiuns Karl-Heinz Grasser alles erledigt – die FP-Regierungstruppe erkannte nicht nur, dass der Kanzler niemals nachzugeben bereit ist und ihre Regierungssitze davon abhängen, ihm deshalb nachzugeben.
Sie „erkannte“ auch, dass sie mit ihrer Forderung nach einem neuen Ministerratsbeschluss auf dem falschen Dampfer sei – und dass selbst regieren allemal lustiger und befriedigender ist, als etwas für die oberösterreichische Landestruppe der eigenen Partei und deren Verzweiflungswahlkampf zu tun. Fazit: „Wieder ein rekordverdächtiger Umfaller in kürzester Zeit“, wie ein empörter SP-Klubchef Josef Cap meint.
Umfragetief für VP-FP. Und doch hält die „Wackelkoalition“ mit dem bisher am gründlichsten verpatzten Start aller Regierungen in der Geschichte der Zweiten Republik: Seit 28. Februar, also seit sechs Monaten, ist Schwarz-Blau II im Amt. Und jeden Monat gab es eine existenzielle Krise
– FP-Obmanndebatte, Steuerreform, Pensionsreform, Abfangjäger, Grassers Homepage und jetzt eben die Voest. Noch nie stand eine Regierung in so kurzer Zeit so oft vor dem Aus. Und noch nie hatte eine Koalition, wie eine brandaktuelle Umfrage des Gallup-Instituts im Auftrag von NEWS ergab, zum Start in ein „Superwahljahr“ mit sechs großen Urnengängen derart schlechte Werte wie das Schüssel-Haupt-Kabinett:
für eine Wiederholung des Wahlerfolges von 2002 mit 42 Prozent reicht, wagt Karmasin stark zu bezweifeln: „Dass Schüssel noch einmal mit der Linie von 2002 durchkommt, dass er Stabilitätsgarant ist, um doch wieder mit einer schwarz-blauen Mehrheit Kanzler zu werden, scheint mir fast unmöglich.“ Der Meinungsforscher bezweifelt, dass angesichts der aktuellen Umfragen überhaupt noch eine schwarz-blaue Koalition möglich ist – und glaubt, dass „die SPÖ zwar noch nicht ganz die richtige Mischung gefunden hat, aber auf einem wesentlich besseren Weg als damals ist“.
Wie lange hält Schwarz-Blau? Trotzdem – es ist ein wohl weltweit einzigartiges Paradoxon der österreichischen Politik: „So lange die FP immer wieder krachend umfällt, steht die Koalition. Und wenn die FPÖ einmal stehen bleibt, fällt die Koalition“, analysiert Karmasin das Stärke-Schwäche-Profil der schwarz-blauen Koalition am Start in ihr wohl entscheidendstes Wahlkampfjahr – vier Landtagswahlen, darunter die entscheidende FP-Schlacht um Kärnten, Bundespräsidenten- und EU-Wahl.
Dazu jede Menge Politbomben am Arbeitsplan:
Schüssels Leidens-Programm. Die ÖBB-Reform, die Pensionsharmonisierung, eine Gesundheitsplattform, der Österreich-Konvent, die Ratifizierung der EU-Erweiterung im Nationalrat, die Bundesheerreform und nicht zuletzt die Zusammenlegung von Polizei und Gendarmerie – Bewährungsproben sonder Zahl für die „Wackelkoalition“. Ganz abgesehen vom klaren Nein zur auf 2004 vorgezogenen Steuerreform.
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PLUS: Schwarz-blauer Hürdenlauf im Superwahljahr
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