Kunden-Kampf: Handel will Shopping-Tempel im Grünen erschweren
- "Strafsteuer" von 4 Euro pro m² steht im Raum
- Einkaufszentren wehren sich gegen "unzeitgemäße Schutzzölle"
Der Handel - sprich: die kleineren Geschäfte - nimmt einen neuen Anlauf, um sich gegen die nach wie vor steigende Konkurrenz von Einkaufszentren auf der grünen Wiese zu wehren. Sogar eine Art "Strafsteuer" von vier Euro pro Quadratmeter Verkaufsfläche ist angedacht. Die Einkaufszentren wehren sich natürlich.
Geht es nach der Sektion Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), soll es künftig bundesweit einheitliche Regeln für die Raumordnung geben.
Nachbargemeinden sollen künftig bei der Genehmigung von Einkaufszentren mitreden dürfen. Außerdem sollen die großen, außerhalb der Ortsgebiete gelegenen Shoppingtempel eine zweckgebundene "Nahversorgungsabgabe" zahlen, die den Gemeinden zur Erhaltung ihrer Stadtkerne - etwa für Marketing, Denkmalschutz oder neue Parkplätze - zu Gute kommen sollte.
4 Euro pro Quadratmeter
Vorstellbar sei eine Abgabe in Höhe von 4 Euro pro Quadratmeter Verkaufsfläche, für Einkaufszentren mit mehr als 10.000 Quadratmetern, sagte der Geschäftsführer der Sparte Handel, Hannes Mraz, bei einem Symposium in Graz. Damit würden rund 70 Mio. Euro in die Kassen des Finanzministeriums gespült, schätzt die WKÖ, die über den Finanzausgleich an die Kommunen zurückfließen sollten.
Derzeit habe eine Gemeinde keinen Einfluss darauf, ob im Nachbardorf ein Einkaufszentrum mit 10.000 m2 errichtet wird, auch wenn sie durchaus massiv betroffen sein kann. Künftig sollen auch umliegengende Gemeinden Rechtsmittel ergreifen können.
Mit rund 1,9 Quadratmetern Verkaufsfläche pro Einwohner liegt Österreich im Europa-Vergleich des Shopping-Angebots weit vorne. In Deutschland sind es 1,3 Quadratmeter, in Italien 0,93 Quadratmeter. Allein die etwa 140 bestehenden Einkaufszentren verfügen über rund 1,8 Mio. Quadratmeter Verkaufsfläche und weitere 100 mit etwa 1,2 Mio. Quadratmetern Fläche sind in der Pipeline.
Österreich ist schon jetzt eines der Länder mit der höchsten Konzentration im Einzelhandel. In Branchen wie dem Lebensmittel-, Sportartikelhandel- oder dem Drogerie- und Parfümeriebereich decken die Top 5 der Branche bereits neun Zehntel des Marktes ab.
(apa)
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